Wien. Fasten im Monat Ramadan bedeutet für Muslime nicht nur Hunger und Durst, sondern auch das Verrichten guter Taten. Mit dem Projekt "Teilen ohne Grenzen" gibt die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) vom 1. bis 29. August Muslimen zwischen 14 und 28 Jahren die Möglichkeit, sich an gemeinnützigen Projekten zu beteiligen. Gefördert werden sie dabei von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und dem Wirtschaftsministerium.

Vier Mädchen und vier Burschen stellten sich am Donnerstag für Obdachlose im Betreuungszentrum Gruft an den Herd. "Fasten bedeutet Nachempfindung, aber noch kein Mitgefühl", sagt Salma, die 19-jährige Projektleiterin. "Erst das Dabeisein intensiviert das soziale Bewusstsein. Ich habe Hunger und koche für Menschen, die jeden Tag hungrig sind." Für Salma ist ihr Handeln Ausdruck von Solidarität, das über soziale, kulturelle und religiöse Unterschiede hinwegsieht.

Das interkulturelle Projekt will der Jugend ihre Verantwortung gegenüber Mitmenschen und der Umwelt ins Bewusstsein rufen. "Wir müssen teilen lernen, egal mit wem", betont Salma.

Die Jugendlichen kochen gemeinsam mit ihrer Projektleiterin Hühnerfleisch in Schlagobers mit mediterranem Gemüse. Mehr als eine Stunde lang wird geschnipselt, gehackt und gerührt. Schließlich sollen rund 50 Personen satt werden. Kurz vor 13 Uhr bildet sich eine Schlange vor dem Tresen. Das Klientel wird bereits ungeduldig. Die Erwartungen sind hoch.

Bei der Essensausgabe trifft Jung auf Alt. "Es ist toll, dass sich Jugendliche für uns die Zeit nehmen", meint Hannes, der bereits seit zwei Jahren die Gruft regelmäßig besucht. Nach dem zweiten Teller kann er nur bekräftigen: "Schmeckt wirklich super."

Besonders im Juli und August leidet die Gruft unter Knappheit an Rohstoffen. Helmut, der Koch, bezeichnet sie als Krisenmonate, in denen es oft an Gemüse mangelt. "Da kommen uns kleine Kochgruppen wie diese sehr gelegen" meint er. In der Gruft werden jährlich bis zu 87.000 Mahlzeiten an Bedürftige verteilt. Rund hundert wurden am Donnerstag von den Jugendlichen zubereitet. Diesmal gibt es Nahrungsmittel in Überzahl.

Freiwillige gesucht

Jugendliche, die sich ebenfalls als Köche beweisen wollen, oder von Gewalt betroffenen Frauen in Frauenhäusern oder bei der Sanierung von Flüchtlingsheimen helfen möchten, können sich über die Homepage anmelden und bei Rückruf ein Projekt auswählen. Aufgrund der zahlreichen Anmeldungen kriegt jeder nur eine Chance. "Die Anmeldungen haben unsere Erwartungen übertroffen", sagt Salma. "Jeder will helfen." Die Projekte wurden hauptsächlich bei mehreren Fastenbrechen - sogenannten Iftaren - beworben. Nach einer Erweiterung der Hilfsprojekte wird nun nach weiteren Freiwilligen gesucht.

Die Obdachlosen sind zufrieden. "Essen wird in allen Religionen als gute Tat empfunden", meint Johannes, heute ein Gast der interkulturellen Küche, der nach eingängigem Studium seiner Mahlzeit das heutige Dinner mit einer Zehn bewertet. Nach drei Stunden Arbeit verlassen die Jugendlichen das Obdachlosenheim mit einem Lächeln. Alle scheinen zufrieden zu sein. Für alle war es eine gelungene Aktion.

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