Wien. Eine neue Plattform für interreligiösen Dialog soll in Wien entstehen. Finanziert wird sie von Saudi-Arabien. Es handelt sich um eine persönliche Initiative des saudischen Königs.

Am Dienstag hat der Ministerrat Außenminister Michael Spindelegger dazu ermächtigt, die Verträge für das neue Dialogzentrum am 13. Oktober mit Spanien und Saudi-Arabien zu unterfertigen. Noch heuer soll das Zentrum mit 60 Mitarbeitern seine Tätigkeit beginnen. Sein Sitz ist im Palais Sturany in der Wiener City.

Was aus Spindeleggers Sicht eine Chance für Wien ist, sich als Drehscheibe für Dialog und Frieden zu präsentieren, stieß bei den Grünen auf scharfe Kritik. Abgeordnete Alev Korun sprach von einem "schlechten Scherz". Ausgerechnet Saudi-Arabien, wo auf "Abfall vom Islam" die Todesstrafe stehe, wolle den internationalen interreligiösen Dialog fördern, fragte die Grün-Mandatarin. Sie verwies darauf, dass alle anderen Religionen "außer dem ultrakonservativen und fundamentalistischen Wahhabismus" in Saudi-Arabien verboten sind.

Ähnlich äußerte sich die Initiative Liberaler Muslime Österreichs (Ilmö), die vor einem neuen "wahhabitischem Zentrum" warnte, das "die Integration der Muslime durch eine feundamentalistisch-konservative Islamauslegung verhindert". Auch der Politikwissenschafter Thomas Schmidinger forderte Außenminister in einem offenen Brief auf, "keinerlei Kooperationen mit dem Königreich Saudi-Arabien einzugehen, die diesem die Propagierung von Intoleranz und Hass gegen NichtwahhabitInnen ermöglichen." Aus Sicht des Außenministeriums sind die Sorgen unbegründet. Dem "König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog" gehe es nur um Dialog zwischen Vertretern unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften. So wolle man mit Dialog Konflikten und Kriegen vorbeugen. Konferenzen, Seminare und Fortbildungsveranstaltungen sind geplant. Der Heilige Stuhl wird Beobachterstatus haben.

Worauf das Ministerium gegenüber der "Wiener Zeitung" besonders hinwies: Nicht nur die monotheistischen Religionen, deren Anhänger der Islam als "Leute des Buches" bezeichnet, werden an der Plattform teilnehmen, sondern auch andere Glaubensrichtungen wie der Hinduismus und Buddhismus. Aus streng wahhabitischer Sicht ist das ein Unding. Eine wahhabitische Ausrichtung werde das Zentrum daher nicht haben.