Wien. (best) Wenn es um Religionsfreiheit geht, hat Saudi-Arabien einen schlechten Ruf. Der arabische Staat erlaubt nur die wahhabitische Auslegung des sunnitischen Islam, bei "Abfall vom Islam" droht Todesstrafe. Kritisch kommentierten daher einige Beobachter das von Saudi-Arabien finanzierte interreligiöse Dialogzentrum in Wien, dessen Gründungsübereinkommen am Donnerstag von Österreich, Spanien und Saudi-Arabien in der Albertina feierlich unterzeichnet wurde.

Die Institution solle weltweit zur Förderung der Religionsfreiheit dienen, sagte der saudi-arabische Außenminister Saud al-Faisal: "Genau dafür ist das Zentrum gegründet worden." Österreich wurde durch Außenminister Michael Spindelegger repräsentiert.

Einfluss der Politik unklar

Zu den Kritikern gehörten die Grünen, die Initiative Liberaler Muslime und der Politikwissenschafter Thomas Schmidinger. Ein "neutraler, hierarchiefreier Ort" müsse für so eine Einrichtung geschaffen werden, sagte er zur "Wiener Zeitung". Dafür gebe es aber kaum Chancen, da das Zentrum nur von Saudi-Arabien finanziert und dem saudischen König Abdullah ibn Abd al-Aziz benannt werde. Saudi-Arabien wolle eher Toleranz für seinen wahhabitischen Staatsislam, fürchtet er.

Saud al-Faisal betonte hingegen, die Finanzierung erfolge durch eine Stiftung, die "von politischem Einfluss unabhängig" sein werde. Zuvor hieß es aus diplomatischen Kreisen, bis 2014 übernehme Saudi-Arabien sämtliche Kosten. Danach soll es auch Beiträge von den Signatarstaaten Österreich und Spanien geben. In der Übereinkunft zur Gründung des Zentrums ist lediglich von freiwilligen Beiträgen die Rede. Weiters schreibt das Übereinkommen explizit das Recht auf Religionsfreiheit fest. Auch gegen den Missbrauch von Religion wolle man ankämpfen, heißt es.