Wien. Einen neuen Einblick in die heimische Islam-Szene liefert seit kurzem eine online zugängliche "islamische Landkarte". Man wolle damit die Islam-Debatte versachlichen und die Bevölkerung informieren, betont Ednan Aslan von der islamischen Religionspädagogik an der Universität Wien. Die Islam-Landkarte wurde im Rahmen von "Imame in Österreich", einem von EU und Innenministerium kofinanzierten Projekt der Islamischen Religionspädagogik, erarbeitet. Islamische Vereine und ihre geografische Lage in Österreich sind dort abrufbar.

Auf 400 Vereine sei man gestoßen, es würden aber immer noch einige fehlen, erzählt Aslan. Das Projekt sei noch nicht abgeschlossen. Zu den mitgliederstärksten Vereinen gibt es auch Kurzbeschreibungen - die nicht nur schmeichelhaft sind. "Wir wollen auch kritisch sein, denn eine Diskussion in der Isolation ist nicht günstig für die Integration der Muslime", betont Aslan. Er sieht die Muslime noch immer zu sehr am Rand der Gesellschaft. Wichtig sei eine offene Diskussion, die alle - vor allem auch die Imame - einbinde.

Die Beschreibungen stoßen einigen auch sauer auf. Höchst unzufrieden ist etwa die Islamische Föderation (IF). Zunächst sind dort nüchterne Fakten über den Dachverband zu finden, etwa dass er die "Österreich-Sektion der türkischen Milli-Görüs-Bewegung" ist und heute als Bündnis von rund 60 Vereinen die zweitgrößte türkisch-islamische Organisation Österreichs ist. Auch seine wichtige Rolle in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) wird betont: "Fuat Sanac, der derzeitige Präsident der IGGiÖ, wird der IF zugeordnet."

Doch dann heißt es: "Milli Görüs distanziert sich zwar von Gewalt, aber ihr sehr politisch orientiertes Theologieverständnis ist auf die Etablierung einer islamischen Rechts- und Gesellschaftsordnung ausgerichtet. In vielen Schriften werden Themen wie Integration und Dialog sehr kritisch betrachtet und Muslime vor der Gefahr der Assimilierung gewarnt." Die Milli-Görüs-Bewegung propagiere eine "Gerechte Ordnung" - "ein umfassendes soziales, ökonomisches und politisches Regelungssystem, das auf islamischer Grundlage beruht". Ihr Gründer - der kürzlich verstorbene türkische Politiker Necmettin Erbakan - spreche offen von einer "angeblichen zionistischen Weltverschwörung. Das Modell einer säkularen Demokratie lehnte Erbakan ab."