Wien. Einige arabische Künstler boykottieren heuer das Musikfestival "Salam.Orient" wegen eines Israel-Logos auf der Homepage (die "Wiener Zeitung" berichtete). Zwei Konzerte in Wien und eines in Graz müssen deshalb abgesagt werden. Festivalorganisator Norbert Ehrlich betont: Der Boykott sei "unverständlich".

Für ein Konzert des tadschikischen Ensembles "Alaev Family", das in Israel lebt, hat "Salam.Orient" die israelische Botschaft in Österreich um Förderung ersucht und diese auch bekommen. Seither scheint die israelische Botschaft mit ihrem Logo in der Sponsorenliste auf. Als Erstes zog der palästinensische Rapper MC Boikutt seinen Auftritt zurück und motivierte andere Künstler zum gleichen Schritt. Wenig später schloss sich dem Appell die Organisation "Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel" an. Nun werden auch die syrische Sängerin Lena Chamamyan und Malikah, die "Queen of Arab Hiphop", nicht zum Festival kommen.

Norbert Ehrlich bedauert die Absagen. Da sich das Festival "jahrelang für die arabische Perspektive" einsetze, sei der Boykott unverständlich. "Salam.Orient" sei 2002 "als direkte Reaktion auf 9/11 entstanden, als Gegengewicht zur neuen Feindbildsuche". Das Festival fördere den Dialog der Kulturen, stehe in Distanz zu Regierungen oder Parteien und verstehe sich als Zeichen des gegenseitigen Respekts. Alle Künstler hätten immer ihre Meinungen äußern können, so etwa auch das palästinensische Jugendtheater "Freedom Theater", das 2011 ein sehr israelkritisches Stück aufgeführt habe.

"Salam.Orient" dauert heuer bis 10. November. Es sei Österreichs "einzige regelmäßige Plattform" für Künstler aus dem arabischen Raum, sagt Ehrlich.