Aleksandra Izdebska, Geschäftsführerin des Elektrohändlers DiTech, findet die Einschränkungen für Flüchtlinge lächerlich. Die oftmalige Begründung, dass eine Öffnung des Arbeitsmarktes noch mehr Asylwerbende anziehen würde, sei nicht mehr als Angstmache. "Es sind auch nach der EU-Öffnung keine Ausländerströme gekommen. Wir leiden darunter als Unternehmer, weil es zu wenige Unselbstständige gibt", erzählt sie.

Als DiTech im vergangenen Jahr nach Lehrlingen suchte, haben sich zwar viele aus der IT-Branche beworben, Lagerlogistiker zu finden, war aber bedeutend schwieriger. "Das Fehlen von Arbeitskräften ist ein Problem", sagt sie. Es gehe um den Wirtschaftsstandort Österreich, der durch die restriktive Arbeitsmarktpolitik geschwächt wird. Das werde dazu führen, dass in 20 Jahren das Sozialsystem in seiner jetzigen Form nicht mehr aufrechterhalten werden könnte, prophezeit Izdebska.

Zur Sexarbeit gezwungen

Asylsuchende würden zudem durch die derzeitigen Regelungen in die Kriminalität und in die Sexarbeit gezwungen werden. Das sei unter jeder Würde, kritisiert sie. "Viele dieser Menschen haben viel auf sich genommen und Schreckliches erlebt."

Auch die Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp unterstützt einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylwerbende, sagt Manfred Wolf. "Es braucht faire Arbeitsverhältnisse, die Flüchtlinge haben sich das verdient", ist er sich sicher.

Allerdings mit begleitenden Maßnahmen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Durch die derzeitigen Barrieren würden Asylsuchenden bisherige Leistungen im Arbeitsleben abgesprochen werden, und sie bekommen zu spüren, dass sie "für uns nicht gut genug sind. Das kann es nicht sein", empört sich der Kollektivverhandler. Außerdem vermittle die Gesetzgebung: "Jeder Asylsuchende, der kommt, der stört."

Manfred Wolf ist sich aber bewusst, dass die Gewerkschaften schon einmal gegenteiliger Meinung waren. Eigenkritik äußert auch Johannes Peyrl: "Wir sind zu hochschwellig. Flüchtlinge finden dadurch nicht den Weg zur Arbeiterkammer oder zur Gewerkschaft."

Das Ergebnis sei bekannt: Viele haben Arbeitsverträge "außerhalb jeden Rechts. Das beschäftigt die Gewerkschaften", sagt Manfred Wolf. Es müsse zudem einmal mit den und nicht immer nur über die Flüchtlinge gesprochen werden.

"Keine Sicherheitsmaterie"

Integrationspolitik sei eine soziale und arbeitsmarktpolitische Materie und weniger eine Sicherheits-Materie. Die Wirklichkeit sehe aber genau anders aus, stellt Peyrl ernüchternd fest. Und er meint: "Auch wenn Asylwerber wieder in ihre Heimat zurück müssten, würden sie die Erfahrungen am Arbeitsmarkt in Österreich mitnehmen können."