Wien. Wie leben Muslime in Österreich? Wie religiös sind sie, was ist ihnen wichtig? Diese Fragen stellte eine vom Integrationsstaatssekretariat in Auftrag gegebene Ifes-Studie, in der 1000 Muslime mit türkischem und bosnischem Migrationshintergrund in Österreich befragt wurden. Erstellt wurde die Studie vom Theologen Paul Zulehner, Meinungsforscher Peter Hajek und Politologen Peter Ulram.

Ihr Ergebnis: Die muslimische Gesellschaft in Österreich ist im Umbruch. Es gibt massive Unterschiede zwischen den einzelnen Generationen - und junge Muslimas tun sich in der Mehrheitsgesellschaft einfacher, als ihre Glaubensbrüder.

Musliminnen fühlen sich moderner als Muslime

Während bei den Muslimen der ersten Generation noch eine traditionelle Arbeitsteilung in der Familie stattfindet, hat sich bei der zweiten und dritten Generation der Muslime ein moderneres Rollenbild etabliert. So helfen immer mehr muslimische Männer der zweiten und dritten Generation im Haushalt und beteiligen sich an der Kindererziehung.

Auch in Sachen Kinderwunsch lassen sich Unterschiede erkennen: Muslime, die in erster Generation in Österreich leben, haben einen deutlich höheren Kinderwunsch als die Einheimischen. In der zweiten Generation nähern sich die Werte jenen der der Nicht-Muslime an. Musliminnen fühlen sich im Schnitt moderner als die Muslime.

Die islamische Bevölkerung schätzt sich selbst erheblich religiöser ein, als dies die nicht-muslimische Bevölkerung macht. Halten sich 38 Prozent der Österreicher für religiös, so sind es in der ersten Generation 73 Prozent der Muslime und 87 Prozent der Musliminnen. Diese starke Religiosität nimmt zur zweiten und dritten Generation hin deutlich ab: Muslime nennen sich zu 57 Prozent religiös, Musliminnen zu 62 Prozent.

Für die Mehrheit der muslimischen Männer (56 Prozent) liegt die Entscheidung darüber, ob eine Muslimin ein Kopftuch tragen soll, bei der Frau. 16 Prozent meinen, dass ihre Frau auf jeden Fall ein Kopftuch tragen sollte bzw. muss, 13 Prozent halten dies in der Öffentlichkeit für nicht notwendig.

Für Zulehner zeigen die Daten den "tief greifenden Wandel", den Muslime in Österreich durchlaufen: "Das betrifft die Geschlechterrollen, das Freiheitsgefühl, das Commitment in der islamischen Kommunität. Hier ist die Islamische Gemeinschaft selbst gefordert." Für Österreich stelle sich die Frage, wie diese Entwicklung behutsam unterstützt und gefördert werden kann.

"Den größten Bedarf sehe ich darin, gerade jungen Muslimen zu vermitteln, dass es kein Problem ist, Österreicher und Moslem gleichzeitig zu sein", sagt Integrationssekretär Sebastian Kurz im Ö1 Mittagsjournal.

Weiters erhoben wurde in der Studie die Mediennutzung von Muslimen. Genutzt werden in erster Linie Fernsehen und das Internet. Zeitungen, Magazine und Radio nutzt nur eine Minderheit regelmäßig. In der türkischen Community werden türkische Fernsehsender häufiger gesehen als deutsche. Auch im Internet setzt etwa diese Community stärker auf Homepages in ihrer Muttersprache.