Wien. Wäre er in Tirol gewesen, hätte aus seiner Schlagerkarriere vielleicht etwas werden können, spekuliert Yves Chikuru. Doch hier in Wien hören einfach viel zu wenige Menschen Schlager, meint der gebürtige Kongolese lakonisch. Er, der vor 24 Jahren das erste Mal nach Österreich gekommen ist, weiß mehr über die Welt der billigen Keyboardsounds, fröhlichen Volksmusik-Moderatoren und schunkelnden Bierzeltpartys als so mancher Einheimischer.

"Du hast mich geboren, warst immer bei mir. Und all deine Wärme verdanke ich dir. Bei Sonne und Regen warst du immer da, und durch deine Liebe bist du mir so nah. Mama, keine liebt so wie du!", singt der 44-Jährige voller Inbrunst beim Grandprix der Volksmusik 2009. Bedächtig marschiert er dabei durch die Kulisse von Plastikblumen und falschen Wasserfällen des Studios und blickt sanft in die erste Reihe des Publikums, in der eine zierliche Frau mit Tränen in den Augen sitzt. Sie ist Österreicherin.

Das Lied "Mama" hat er seinen Müttern gewidmet, seiner leiblichen Mutter und seiner Adoptivmutter. "Es kommt für jeden Mensch der Moment, wo man zurückblickt: Wie war es in Afrika? Wie war die Mutter, die dich großgezogen hat? Dann kommst du hierher und eine andere Frau nimmt dich auf. Ich wurde ja wirklich von einer Hand in eine andere getragen", erzählt er, wie die Geschichte mit dem Schlagersingen begann. "Da fing ich an Texte zu kraxeln." Dazu kam, dass ihn Schlager immer schon fasziniert haben: "Die sind so melodiös, und sie haben etwas Traditionelles an sich, mit dem ich mich identifizieren konnte."

Viel verdankt er seinen Müttern. Seiner leiblichen Mutter, die alles daran gesetzt hat, dass ihr Sohn mit dem geschwollenen Hals wieder gesund wird. Gemeinsam pilgerten sie von seiner Heimatstadt Bukavu aus, die in der Nähe der Grenze zu Ruanda liegt, von Arzt zu Arzt. Doch keiner kannte die Ursache für den geschwollenen Hals.

In Kinshasa traf der kleine Chikuru seinen Onkel, der eine Österreicherin geheiratet hatte. Die beiden beschlossen, den Neffen nach Wien zu holen. Chikuru selbst war nicht überzeugt, da er kurz zuvor gemeint hatte, eine Wunderheilung erlebt zu haben. Aber er ließ sich überreden und machte sich auf den Weg in den Norden. Im September 1989 landete er in Wien und sein erster Eindruck war ein kalter: "Das waren meine ersten 16 Grad. Ich habe gezittert wie noch nie!" Seine Tante holte ihn vom Flughafen ab. Sie wurde zu seiner zweiten Mutter. In Wien fand man die Ursache für seinen geschwollenen Hals: Krebs. In Wien blieb Chikuru zunächst, weil die Behandlungen einige Jahre dauerten. Anschließend musste er regelmäßig zu Kontrollen.