Neben Familien- und Seniorenabenden finden außerdem regelmäßig Themenabende statt: kürzlich etwa eine Präsentation über die ursprüngliche ungarische Küche. Viele der Teilnehmer waren erstaunt, dass früher gar nicht hauptsächlich mit Paprika, sondern mit Ingwer gewürzt wurde, erzählt Kiss. Das anschließend gemeinsam verkostete Gericht nach altem Rezept war daher für die meisten ein ganz besonderes Geschmackserlebnis.

Durchschnittlich sind die Mitglieder zwischen 35 und 50 Jahre alt, von Arbeitern bis zu Akademikern ist alles dabei. Vor allem aber bei den Jungen, die oft in der zweiten oder dritten Generation in Österreich aufwachsen, sieht Kiss Aufholbedarf. Viele hätten keine Ahnung mehr von der Sprache und Kultur ihrer Vorfahren. Vieles gehe dadurch verloren. "Natürlich ist es wichtig, dass die Kinder Deutsch lernen", sagt Kiss. "Aber auf unsere Wurzeln dürfen wir dabei nicht vergessen." Für ihn ist es sinnvoll, dass in Wien auch im ungarischen Schulverein unterrichtet wird – und zwar zweisprachig. Bei dessen Gründung hatte man daher entscheidend die Hände im Spiel. Gerade durch die Symbiose beider Traditionen entstünden nicht zuletzt ganz neue, spannende Kulturen.

Während der Verein ursprünglich von aus Ungarn stammenden Arbeitern in Floridsdorf gegründet wurde und in der Zeit der ungarischen Revolution und des Eisernen Vorhangs Flüchtlingen half, sich in Wien niederzulassen, sich zu integrieren oder auch weiter reisen zu können, finden heute viele Veranstaltungen in der Darnautgasse im 12. Bezirk statt. Manche in Zusammenarbeit mit anderen ungarischen Organisationen aus ganz Österreich.

Finanziert wird der Verein in erster Linie durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Sponsoren und durch die Volksgruppenförderung des Bundeskanzleramts. Die ungarische Regierung, früher einer der Förderer, hat den Geldhahn längst zugedreht. Von aktuell 200 Mitgliedern sind rund 50 stets aktiv dabei, sagt Kiss. Gerade beim Gulaschfestival habe sich wieder gezeigt, dass die Aufgabenverteilung im Team ernst genommen wird und jeder mit anpackt.

Da Kiss als Außendienstmitarbeiter für einen deutschen Stahlkonzern besonders viel unterwegs ist – auch in Ungarn –, muss er sich auf seine ehrenamtlichen Mitarbeiter verlassen können. "Das Thema liegt uns allen einfach am Herzen, deswegen machen wir das alles", sagt der Maschinenbauingenieur. Für die Zukunft sind auch gemeinsame Reisen an historische Orte geplant. Und für 2014 eine weitere Auflage des Gulasch-Festivals – auch dann wieder mit viel Paprika, Besuchern und vielleicht sogar neuen Mitgliedern.