Denn beim Tanzen kommt jede Erfahrung hoch, die sie in ihrem Leben gemacht hat. Jene, als neunjähriges Mädchen, als sie zum ersten Mal Fahrrad gefahren ist und das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit gespürt hat. Und jenes, als sie im selben Moment von einem Sittenwächter wegen ihres vermeintlich unzüchtigen Verhaltens geschimpft wurde. Wie sie jahrelang ihre Haare raspelkurz geschnitten hatte und weite Kleider trug, damit sie aussah wie ein Bub, nur damit sie im Park ungezwungen spielen konnte und ein paar Jahre länger Kind sein durfte. Die Vorschriften im Iran sehen es vor, dass sich jedes Mädchen ab dem neunten Lebensjahr verhüllt. Von da an gilt sie nämlich als Frau.

Heute muss sie keine weiten Kleider mehr tragen. In Mankers Wagner-Epos tanzt sie zum ersten Mal nackt, sie die Iranerin, die jahrzehntelang dazu erzogen wurde, ihren Körper zu verstecken. "Ich habe mich sehr stark gefühlt. Das war gut", sagt sie, "ich darf meine Freiheit nun ausleben".