Wien. (zel) Seit einigen Tagen hängt ein riesiges Plakat auf der Fassade der Wiener Secession, das Passanten die Frage stellt "Fluchthilfe und Du?". Mit einer Spende von 99 Euro ließe sich ein Fluchtpaket schnüren, das Menschen eine "sichere Ein- oder Weiterreise" ermöglicht und damit Menschenleben rettet.

Es handelt sich um eine Kunstaktion, die Kritik an der europäischen Grenz- und Migrationspolitik übt. "Wir begreifen Flucht als selbstbestimmten Akt und Fluchthelfer sind oft wie auch Geflüchtete Teil von migrierenden Communities, man unterstützt sich generationsübergreifend. Ein Aspekt, der viel zu kurz kommt ist, dass es sich oft um Familienzusammenführungen handelt", sagt Katarzyna Winiecka. Die Künstlerin und Aktivistin ist Mitaufbauerin der Plattform "Fluchthilfe & Du" und will mit ihren Kollegen einen Verein gründen, der realpolitisch greifen soll.

Fluchthilfe als Schlepperei kommuniziert

"In den letzten Jahren wurde Fluchthilfe medial und politisch nur als 'Schlepperei' kommuniziert", sagt Winiecka. Mit dem Verein wolle man aufzeigen, dass aufgrund des derzeitigen 'Schlepperparagrafen' jeder kriminalisiert wird, der in irgendeiner Hinsicht an Fluchthilfe beteiligt ist. So sitzen etwa noch sechs Refugees der Votivkirche wegen Vorwurfs der Schlepperei in Untersuchungshaft. Winiecka nennt auch das kürzlich in den Medien bekannt gewordene Beispiel des Taxifahrers, der mehrere Flüchtlinge für einige Hundert Euro von Parndorf nach München geführt hat.

Am Donnerstagabend um 20 Uhr findet das Kick-off Event in der Wiener Secession statt, bei dem das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.