Verstümmelte Schwester

Als er sich afghanischen Protestkundgebungen gegen soziale Diskriminierung in seiner Provinz anschließt, in der auch seine Musik gespielt wird, gerät Özgür selbst in Gefahr: "Ich wurde von Unbekannten entführt, die Vorderzähne wurden mir herausgebrochen und ich erlitt schwere Verletzungen am rechten Fuß", erzählt er. Dabei muss er schlucken. Bei einem weiteren Anschlag auf seine Familie verliert seine Schwester vier Finger. Özgür glaubt zu wissen, warum: "Meine politischen Texte waren manchen wohl ein Dorn im Auge."

Youssuf Özgür, der sich als Rapper "Youssufu" nennt, beschließt 2010, Afghanistan in Richtung Europa zu verlassen und flüchtet nach Österreich: "Anfangs hat man mir nicht einmal geglaubt, dass ich tatsächlich aus Afghanistan komme", erzählt er gekränkt. Im März 2011 wurde ihm subsidiärer Schutz nach Paragraf 8 gewährt. Ende 2012 folgte ihm schließlich seine Frau nach Österreich nach. Seinen derzeitigen Aufenthaltsstatus nach Paragraf 8 hat er zum Anlass genommen, um auf seine Umstände aufmerksam zu machen. In Österreich leben rund 12.000 subsidiär Schutzberechtigte. "Bislang habe ich keinen positiven Asylbescheid. So wie mir geht es auch vielen anderen auf der Welt, die nicht mehr in ihrem Heimatland leben können, und darauf wollte ich mit dem Song ,Paragraph 8‘ aufmerksam machen."

Eineinhalb Jahre hat er an seinem neuen Album gearbeitet. Vor allem die sprachlichen Barrieren und die finanziellen Aufwendungen für die Produktion haben das Projekt zeitlich nach hinten gerückt. Jetzt fühlt sich Özgür bereit, mit dem Material an die Öffentlichkeit zu gehen: "Ich bin sehr glücklich darüber, hier leben zu dürfen, aber gleichzeitig bekomme ich auch negative Seiten des Zusammenlebens mit, die ich ansprechen möchte." Die Rede ist von Alltagsrassismus, Migration, Identität und sozialer Diskriminierung, eben jenen Problemen, mit denen auch europäische Migranten zu kämpfen haben, wie Özgür betont. Gleichzeitig würde das Thema Asyl durch Parteien wie der FPÖ nur negativ behandelt, dies würde zu einem unerfreulichen Meinungsklima führen, sagt Youssufu. "Es ist beispielsweise nicht leicht, eine Wohnung zu finden, wenn du einen ausländischen Nachnamen hast, dies musste ich selbst erfahren", erzählt der 27-Jährige. Das Herabschauen auf den so genannten "Asylanten" in vielen Wiener Ämtern stört ihn ebenso. Auch deshalb sein Track "Paragraph 8".