Wien. Vor knapp drei Wochen stimmten die Schweizer für eine Einwanderungsquote. Mit ihrer Initiative "ohne dich" haben die drei Männer Bernhard Stoller, Ralph Moser und und Silvan Groher darauf reagiert. Auf der gleichnamigen Homepage können Schweizer mit Foto bekunden, wie miserabel, einsam und trist ihr Leben ohne den Ausländer ihrer Wahl aussehen würde. Die Resonanz ist groß. Binnen weniger Stunden haben sich 300 Paare zu ihrem "Ausländer" online geoutet. Die "Wiener Zeitung" sprach mit den drei Initiatoren.

"Wiener Zeitung": Wie kam es zu dem Projekt?

Bernhard Stoller: Wenn es jemandem nicht gut geht oder er schlecht behandelt wird, dann klopft man ihm als Freund auf die Schulter und sagt "Kopf hoch, ich bin für dich da!". Das ist die Idee dahinter.

Ein Plädoyer für ihre Freunde, Familie, Pizzabäcker und Zeitungsverkäufer haben die Initiatoren Bernhard Stoller (li.) und Silvan Groher auf ihrer Homepage gestartet.
Ein Plädoyer für ihre Freunde, Familie, Pizzabäcker und Zeitungsverkäufer haben die Initiatoren Bernhard Stoller (li.) und Silvan Groher auf ihrer Homepage gestartet.

Silvan Groher: Mir war das Ergebnis der Abstimmung gegenüber meinen fremdländischen Freunden fast peinlich. Mit diesem Projekt können wir Danke sagen, dass es sie gibt, und wir können sagen, was wir an ihnen schätzen. Es gab Leute, die mussten in ihrem engsten Freundeskreis fragen, wie wir abgestimmt haben. So stark war der momentane Vertrauensbruch.

Stoller: Ich fand den positiven Ansatz sehr spannend. Nicht gegen etwas zu sein, sondern für etwas. Für gute Stimmung und Fremdenfreundlichkeit. Wir haben teilweise extrem berührende Reaktionen erhalten. Mehrfach haben Leute geschrieben, dass sie heulen mussten oder dass sie
Gänsehaut bekommen haben, als sie unsere Seite besucht haben. Leute aus allen Gesellschaftsschichten haben sich bedankt für das, was wir tun. Ich wurde auch schon auf der Straße angesprochen, und die Person hat sich bei mir persönlich bedankt.

Ist das Leben mit Menschen unterschiedlichster Herkunft nicht längst Realität? Wie kommt es eigentlich dazu, dass so viele Menschen gegen Zuwanderung stimmen. Woran könnte das liegen?

Ralph Moser: Ja, klar ist es Realität. Das Thema Angst beherrscht aber gewisse Parteien und Medien. So wird immer wieder Stimmung gemacht gegen alles, was man nicht kennt.