Wiener Zeitung: Was ist "Fluchthilfe und Du?" genau?

Katarzyna Winiecka:
Gestartet haben wir mit einer Kunstaktion - einem großformatigen Plakat auf der Außenfassade der Wiener Secession - die zunächst einmal Aufmerksamkeit erregen sollte. Beim Kampagnenstart am 20. Februar haben wir uns öffentlich vorgestellt und unterstützt von Gastrednern auf unsere Ziele verwiesen: Wir wollen eine kritische Plattform sein, die den "Schlepper"-Diskurs von der Kriminalisierung wegwendet. Dabei thematisieren wir Fluchthilfe auch im historischen Zusammenhang, der es uns ermöglicht aufzuzeigen, dass Beihilfe beim Grenzübertritt je nach politischen Gegebenheiten verschieden -als Verbrechen oder Heldentat- kommuniziert werden kann.

Mitte Februar tatsächlich geschehen: Ein Wiener Taxler fuhr mehrere Syrer von Parndorf nach München und handelte sich als mutmaßlicher Menschenschmuggler ein Strafverfahren wegen "Einschleusens von Ausländern" ein. - © Fluchthilfe.at
Mitte Februar tatsächlich geschehen: Ein Wiener Taxler fuhr mehrere Syrer von Parndorf nach München und handelte sich als mutmaßlicher Menschenschmuggler ein Strafverfahren wegen "Einschleusens von Ausländern" ein. - © Fluchthilfe.at

Sie stehen dabei mit den (Votivkirche-) Flüchtlingen der Refugee-Bewegung in Verbindung?

Ja, wir stehen in Kontakt mit der Refugee-Protestbewegung und unterstützen ihr Bestreben, sich selbst zu organisieren und aus der Subjekt-Position zu sprechen. Wir möchten informieren: Wer sind die beschuldigten Refugee-Aktivisten im "Schlepper"-Prozess, der nun in zwei Wochen beginnt? Auch ist es uns wichtig, die Gründe für das Konstrukt "Schlepperbande und Schlepperboss" aufzuzeigen und diese Begriffe zu zerlegen. Die Hintergründe sollen beleuchtet werden: Man instrumentalisiert und kriminalisiert Fluchthelfer, während es eigentlich um die Legitimierung von Grenzaufrüstung geht!

Dem ganzen Betreiben zugrunde liegt ja die EU-Asylpolitik, die legale Migration nicht möglich macht. Haben Sie diesbezüglich schon konkrete Vorhaben?

Wir wollen Zusammenhänge herstellen: Migration wird mit riesigem finanziellen und logistischen Aufwand kontrolliert. Todesfälle durch Einreiseverweigerung stehen mittlerweile an der Tagesordnung. Erst vor kurzem wurden schutzsuchende Personen im Mittelmeer mit Gummigeschossen von EU-Grenzwachen angegriffen und entgegen internationalem Recht auf hoher See ("Push-Back", Anm. d. Red.) gewaltsam zurückgeführt. Flüchtlingen soll die Einreise in die EU und ihr Recht auf Schutz verweigert werden – die Genfer Flüchtlingskonvention wird dreist ignoriert. Solange es keine legale Möglichkeit gibt, ohne Visum nach Europa zu kommen, wird Fluchthilfe angeboten und in Anspruch genommen werden. Es ist ein widerständiger Akt, wenn Lücken in den Mauern gesucht und gefunden werden...

Können Sie das genauer erläutern?