Für Soma Ahmad, deren Eltern aus dem nordirakischen Kirkuk stammen, waren die Wiener "Diyarbakir Kulturtage" und die Rede von Osman Baydemir ein klares politisches Signal: "Die Kurden haben sich so weit entwickelt, dass sie nicht mehr zu übersehen sind. Sie finden auch in der europäischen Metropole Wien ein Podium." Ahmad flüchtete im Alter von fünf Jahren gemeinsam mit ihrer Familie aufgrund des ersten Golfkriegs 1991 nach Österreich. In ihrer neuen Heimat arbeitet sie für die Non-Profit-Organisation LeEZA (Liga für emanzipatorische Entwicklungszusammenarbeit) und unterstützt dabei auch Frauenprojekte in kurdischen Städten.

Mit Leid, Kampf und Unterdrückung verbunden

Faszinierend waren die Tage auch bisher für die grüne Politikerin Aygün Berivan Aslan. Ihre Vorfahren stammen aus Diyarbakir. Aslan, die seit ihrem fünften Lebensjahr in Tirol lebt, hat Diyarbakir noch nie besucht. Obwohl die Juristin eine große Sehnsucht nach Diyarbakir zieht, hat sie die Reise in ihre eigene Geschichte noch nicht gewagt. Da Diyarbakir "immer mit Leid, Kampf und Unterdrückung" verbunden wurde, freut sich die 31-Jährige umso mehr darüber, durch die Veranstaltung in Wien Diyarbakir als eine Stadt der "fruchtbaren Entwicklung" kennenzulernen, in der "Minderheiten nun frei atmen und sich entfalten können".

Osman Baydemir, Diyarbakirs Bürgermeister, betonte bei der Eröffnung der Ausstellung und der Kulturtage die Wichtigkeit der Beziehungen zwischen Wien und Diyarbakir. Die Zusammenarbeit zwischen Wien, "eine Kulturhauptstadt in Europa", und Diyarbakir, "ein Kulturzentrum in Mesopotamien", würde "eine Brücke zwischen Europa und dem Nahen Osten darstellen, die Menschen näher bringt." "Diyarbakir gehört zu den Wiegen der Menschheit. Wer eine Zeitreise machen will, braucht nur die Tore der Stadt Diyarbakir zu passieren. Jeder, der schon einmal in Diyarbakir war und die mystische Atmosphäre dort kennengelernt hat, interessiert sich für diese Stadt. Das Flair der Stadt lässt niemanden unberührt", schwärmt Osman Baydemir bei seiner Rede. Die Einzigartigkeit dieser mystischen Stadt gehöre jedoch geschützt. Beim Versuch der Aufnahme Diyarbakirs in die Liste des Unesco-
Weltkulturerbes zählt der Bürgermeister auf die Erfahrungen der Stadt Wien.

Neo-Wienerin Okay-Miran hat sich langsam an das Leben in Österreich gewöhnt. Bei den Diyarbakir Kulturtagen hat sie auch Gemeinsamkeiten zwischen Diyarbakir und Wien festgestellt: "Beide Städte sind wichtige Kulturzentren, beide blicken auf ein historisches Erbe zurück und das Flair der beiden Städte wirkt magisch auf die Menschen."