Wien. "Wie kannst du dir das nur antun?", wurde Sylvia Leodolter einige Male gefragt. Der Grund: ihr Ehemann. Er ist Österreicher, aber mit iranischen Wurzeln. Binationale Ehen werden teils kritisch beäugt. Leodolter stieß auch auf "anti-islamische Tendenzen".

Gertrud Schmutzer, Beraterin beim Verein Fibel (Fraueninitiative Bikulturelle Ehen und Lebensgemeinschaften), weiß um die Problemfelder binationaler Paare. Die Schwierigkeiten umfassten "Nachzugsverfahren aus Drittstaaten, ebenso Konflikte und interkulturelle Missverständnisse in der Partnerbeziehung oder Spannungen mit Angehörigen der Herkunftsfamilien", erzählt sie. Manche Betroffene würden die erschwerten Umstände locker nehmen, andere seien deprimiert. Die Probleme würden sich auf die Psyche beider Partner auswirken: "Die unterschiedlichen Kindheitserinnerungen, das Herkunftsmilieu, die differenten Werte und Vorbilder, mit denen sie aufgewachsen sind, können durchaus Anlass von Diskussionen werden."

Das teure Aufenthaltsrecht

Sylvia Leodolter größte Sorge ist eine andere. "Familienbesuche aus dem Iran sind schwierig: Da muss vorher viel bürokratische Arbeit erledigt werden." Der Behördengang sei "in Wahrheit eine Erniedrigung. Hätten wir nicht genügend Geld und Wohnfläche, wäre vieles nicht möglich gewesen." Leodolter und ihr Mann müssen Meldezettel, Einkommensnachweise, Mietvertrag, Identitätsausweis vorlegen und für weitere behördliche Kosten aufkommen, die durch den Aufenthalt des "Visumswerbers" entstehen. Das verlangt das Innenministerium. Gegenüber der Fremdenpolizeibehörde müssen sie ihre Kreditwürdigkeit belegen.

Schmutzer betont: Die größten Hindernisse entstehen durch das aktuelle Fremdenrecht. Ihrer Erfahrung nach haben es besonders Studierende und Frauen in Niedriglohnbranchen schwer, den Unterhaltsnachweis vorzulegen, der für eine Erteilung des Aufenthaltsrechts erforderlich ist.

Das Fremdenrechtspaket 2005, das mit 1. Jänner 2006 in Kraft getreten ist, brachte etliche Verschärfungen, die das Schließen einer Ehe mit Drittstaatsangehörigen massiv erschweren. Die Ehe allein begründet nicht mehr das Recht auf Aufenthalt und gemeinsames Familienleben. Ehepartner aus Drittstaaten erhalten nicht mehr automatisch eine Niederlassungsgenehmigung und keinen sofortigen Zugang zum Arbeitsmarkt, sondern müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen: Von Ehepartnern aus Drittstaaten darf keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit ausgehen, darüber hinaus müssen sie über eine Unterkunft und eine Krankenversicherung verfügen.

Ihre österreichischen Ehepartner wiederum müssen ein Nettoeinkommen von mindestens 1222 Euro monatlich nachweisen, um eine Niederlassungsbewilligung für ihre Ehepartner zu bekommen. Für jedes einzelne Kind im gemeinsamen Haushalt kommen 126 Euro monatlich hinzu. Übersteigen die Mietkosten 260 Euro, so müssen diese zusätzlichen Kosten ebenfalls noch abgedeckt sein. Seit 1. Juli 2011 besteht zusätzlich die Verpflichtung für Drittstaatsangehörige, bereits vor der Einreise nach Österreich Sprachkenntnisse auf A1-Niveau zu besitzen, innerhalb von zwei Jahren muss das A2-Niveau erreicht werden.

Dieses rechtlich und psychisch belastende Geflecht mache vor allem österreichischen Frauen zu schaffen, betont Schmutzer. Denn das Wissen um den prekären, sozialen Status der Ehepartner, würde manchmal dazu führen, dass eigene Interessen, Erwartungen und Bedürfnisse heruntergeschraubt oder gar verdrängt würden, besonders bei Beziehungskonflikten.

Laut Statistik Austria waren 2011 rund 19 Prozent der insgesamt 36.426 geschlossenen Ehen binational. Deren Schwierigkeiten kennen auch Manuela und ihr Mann Ibrahima zur Genüge. Die 29-Jährige lernte ihren heutigen Ehemann in Senegal kennen. Nach monatelangem Hin- und Herpendeln beschloss sie zu heiraten. Das formale Prozedere nahm beträchtliche Ausmaße an, erzählt die studierte Politikwissenschafterin. Durch den psychischen Druck gerieten sie und ihr Mann auch verbal aneinander: "Man streitet dann mehr. Das ist mir am Anfang am meisten aufgefallen." Heute, zweieinhalb Jahre nach ihrer Hochzeit, hat sie keine endgültige Gewissheit über den weiteren Aufenthaltsstatus ihres Mannes. Die bürokratischen Hürden sind noch nicht verschwunden. "Man kann keine besonderen Zukunftspläne eingehen, da man sich nicht sicher ist, ob der Partner auch wirklich hierbleiben darf."

Hinzu kommt der soziale Druck, etwa seitens mancher Beamter: "Es fängt beim Termin an. Man muss sich durchaus rechtfertigen für die Entscheidung, die man getroffen hat." Der "Hürdenlauf", den auch ihr Mann meistern muss, belaste das eigene Selbstbewusstsein und Gleichgewicht in der Beziehung, findet Manuela. Dabei sei den wenigsten Menschen wirklich bewusst, was eine Heirat mit einem Partner aus einem Nicht-EU-Land für Herausforderungen mit sich bringt, betont die Akademikerin. "Ihr seid ja verheiratet. Da kann doch nichts mehr schiefgehen", bekommt sie öfters zu hören.

Für Angela Magenheimer, Obfrau der Initiative "Ehe ohne Grenzen", hat sich durch die Verschärfungen im Fremdengesetz vieles zum Negativen entwickelt: "Die Fremdenpolizei wird oftmals auf den Plan gerufen, wenn sie Scheinehen wittert. Dann wird in dreckiger Unterwäsche gestochert, werden Ehebetten inspiziert und Nachbarn befragt." Ein weiteres Problem, so fügt Magenheimer hinzu, sei die auch in österreichischen Familien aufkommende Ablehnung gegenüber der Partnerwahl ihrer Tochter beziehungsweise ihres Sohnes: "Leider bemerken wir immer wieder Rassismus, Stereotypisierung und Vorurteile gegenüber binationalen Ehen und Partnerschaften."