Der "Waldviertler" kann in 200 Geschäften in den Bezirken Gmünd, Waidhofen an der Thaya und Zwettl eingelöst werden. Seit der Einführung im Jahr 2005 wurden rund 50.000 Euro in die Komplementärwährung eingewechselt, ausgebende Stelle ist die Volksbank in der Region.

Neben dem "Waldviertler" gibt es in Österreich auch den "Styrrion". Mit dieser Währung kann in einigen Gemeinden rund um Graz bezahlt werden. Um eine Hortung des Geldes zu vermeiden, gibt es auch hier eine Ablauffrist von rund einem Jahr. Bis dahin muss das Geld ausgegeben oder mit einem Schenkungs- und Serviceabschlag von in Summe fünf Prozent zurückgegeben werden.

Die ausgebenden Stellen von Regiowährungen haben es sich laut Murauer zum Ziel gesetzt, nicht nur Konsumenten, sondern auch Firmen vor Ort für die Währung zu begeistern, die sie zu Weihnachten oder Firmenjubiläen verschenken. Detail am Rande: 15 bis 20 Prozent der ausgegebenen Gutscheine oder Münzen verschwinden - weil sie als Sammlerstücke gehortet oder vergessen werden.

Tauschkreise müssen Steuern zahlen

Obwohl die Währungsprojekte gut durchdacht sind, bevor sie auf den Markt kommen, gibt es dennoch einige Probleme. Eines ist die Tatsache, dass viele der Währungen nur als Papiergeld existieren und damit nicht über die Bankomat-Terminals bezahlt werden kann. Aus Sicht von Expertin Kennedy ist das aber nur ein kleines Problem.

Das Hauptproblem ist aus ihrer Sicht, dass man in vielen Fällen mit dem Alternativ-Geld keine Abgaben und Gebühren zahlen kann. Aus ihrer Sicht sollten Staaten und Gemeinden froh sein, dass es diese Initiativen gibt und das Geld auch für die Zahlung von Gebühren zulassen.

Eine Ausnahme gibt es aber: Im südamerikanischen Uruguay kann man laut Kennedy die Steuern mit der dortigen Komplementär-Währung bezahlen.

In Österreich ist man auf Bundesebene zwar noch nicht so weit, aber einige Gemeinden akzeptieren die Euro-Alternative für das Bezahlen von Steuern. So kann man seit Jahresbeginn in der niederösterreichischen Stadtgemeinde Heidenreichstein 30 Prozent der Kommunalsteuer in "Waldviertler" bezahlen. Am Ende des Jahres wird die Steuer als Vereinsförderungen an die Vereine weitergegeben. Neben Heidenreichstein kann auch in einigen Vorarlberger Gemeinden mit der jeweiligen Komplementär-Währung bezahlt werden, erzählt Spielbichler vom Unterguggenberger-Institut. Sie betont: "In Vorarlberg wird das aktiv unterstützt." Auf Bundesebene vermisst Spielbichler die Unterstützung allerdings. Man habe eine entsprechende Petition im Parlament eingebracht, diese sei aber "in der Schublade" verschwunden, meint sie enttäuscht.

Wer mit Komplementär-Währungen bezahlt, bleibt von der Pflicht, Steuern zu zahlen, nicht verschont. Ein anderes Tauschmittel als die Landeswährung befreit nicht von gültiger Rechtsordnung und ist wie eine Fremdwährung zu handhaben, heißt es von Tauschkreisen. Eingenommene Regiowährungen müssen von Händlern wie Euro versteuert werden. Bei Tauschkreisen gelten die allgemeinen steuerlichen Bestimmungen: Alles was in der "Eurowelt" versteuert werden muss, ist auch bei Einnahmen in Stunden beim Finanzamt anzugeben, informieren die Tauschkreise im Internet.

"In welcher Währung abgerechnet wird, ist aus steuerrechtlicher Sicht egal", sagt Harald Waiglein, Sprecher im Finanzministerium. Steuerliche Probleme mit Tauschkreisen sind ihm allerdings nicht bekannt. Oft liegen die Einkünfte allerdings unter dem Betrag von 730 Euro pro Jahr, den Arbeitnehmer mit Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit pro Jahr steuerfrei dazuverdienen dürfen.