Brüssel. Ab Donnerstag, sind EU-weit die Herstellung und der Import von herkömmlichen Glühfadenlampen mit 60 Watt verboten. Nur noch Lagerrestbestände dürfen abverkauft werden. Es handelt sich um die vorletzte Stufe des sogenannten EU-Glühbirnenverbots, dem in einem Jahr auch die Versionen mit 40 und 25 Watt zum Opfer fallen sollen.

- © M. Hirsch
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Hintergrund dieses EU-Gesetzes aus dem Jahr 2009 ist der Einsatz zeitgemäßer Technologien bei der Beleuchtung, der enorme Energieeinsparungen und damit neben der Reduzierung von Treibhausgasen auch Ersparnisse für die Haushalte bringen soll.

Von der Zeitplanung etwas unglücklich mutet an, dass der Leuchtmittel-Gigant Osram just am Mittwoch - also einen Tag vor dem Ende der 60-Watt-Birne - eine Preissteigerung der Energiesparlampen je nach Modell um bis zu 25 Prozent ankündigte. Hintergrund sei aber keineswegs das Glühbirnenverbot, sondern der starke Anstieg der Rohstoffpreise, versicherte Osram-Sprecher Christoph Schmidt. Die überwiegend aus China stammenden Seltenen Erden seien über die letzten zwölf Monate um 700 Prozent teurer geworden. Das könnte auch beim Weltmarktführer Philips zu Preissteigerungen führen, hieß es. Für die Produktion der Leuchtmittel werden vor allem die Grundstoffe Lanthan, Europium, Terbium und Yttrium benötigt.

Dass Herstellern von Energiesparlampen ein Vorteil erwächst, weist auch der Sprecher des deutsch-chinesischen Lampenspezialisten Megaman zurück: "Man macht es sich zu einfach, mit dem Finger auf die Energiesparlampen zu zeigen", sagte Christoph Seidel. "Wir sind die Letzten, die steigende Rohstoffpreise gut finden, denn davon haben wir gar nichts." Dennoch werde Megaman die Preise für seine Leuchtkörper vorläufig nicht anheben - "über kurz oder lang werden wir aber nicht darum kommen". Diese Entwicklung zeichne sich keineswegs erst von heute auf morgen ab, laut Schmidt von Osram wird bereits seit Monaten mit den Großhändlern verhandelt.

"Gesundheitsbedenken ausgeschlossen"

Das weltweite Rennen um die begehrten Rohstoffe entzünde sich auch keineswegs an den Inhaltsstoffen für Energiesparlampen, hieß es in Branchenkreisen. Seltene Erden werden für so gut wie alle aktuellen High-Tech-Produkte von Handys über Computerplatinen, Flachbildschirmen, Touchscreens, Magneten, Glasfaserkabel und Katalysatoren gebraucht.

Energiekommissar Günter Oettinger sieht daher keine Veranlassung, am Auslaufen der Glühfadenlampe zu rütteln. Zwar enthalten die Energiesparlampen geringe Mengen Quecksilber, die bei Bruch entweichen könnten. Doch "der unabhängige wissenschaftliche Ausschuss der EU hat bereits im letzten Jahr Gesundheitsbedenken ausgeschlossen", so Oettinger. Durch die Einführung der Sparlampen könnten in Europa die Jahresproduktion von zehn durchschnittlichen Kraftwerken und der Ausstoß von 15 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden. Das entspreche der Stilllegung aller in den Niederlanden zugelassenen Kfz.

Untermauert wird die EU-Position vom jüngsten Bericht der deutschen Stiftung Warentest: Jährlich 100 Euro erspare sich ein durchschnittlicher Haushalt durch den Umstieg von herkömmlichen auf moderne Glühbirnen. Und wer gar kein Quecksilber haben will, kann zu Eco-Halogen- oder LED-Lampen greifen. Erstere dürfen noch bis 1. September 2016 als von der Lichtfarbe gleichwertiger, aber günstigerer Glühfadenlampenersatz dienen. Und sogar Zweitere sind wegen der langen Lebensdauer von rund 25 Jahren trotz der hohen Anschaffungskosten bereits günstiger als das Auslaufmodell nach Edison, das im Schnitt rund ein Jahr hält.