Wien. (best) In der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) gehört er zum Urgestein. Ahmed Hamidi ist seit 1999 Vizepräsident der IGGiÖ und Fachinspektor für islamischen Religionsunterricht, den er selber schon in den 80er Jahren unterrichtet hat. Öffentliche Aufmerksamkeit hat der Facharzt für Innere Medizin nie gesucht. Diese Woche bekam er sie zum ersten Mal. Sie endete vorerst mit seinem Rücktritt als Vizepräsident.

Wie Medien berichteten, soll Hamidi bei einer Podiumsdiskussion Sport als ungesund für Frauen bezeichnet haben. Es hagelte umgehend Kritik von allen Seiten: Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), alle politischen Parteien, der Wiener Stadtschulrat und die Ärztekammer verurteilten die Aussage scharf.

Hamidi hat die Zitate mittlerweile relativiert. Er habe nur vor den Folgen des Leistungssports gewarnt, der für beide Geschlechter schädlich sei. Bei Frauen kämen hormonelle Störungen hinzu, was medizinisch bewiesen sei. Im Übrigen sei seine Meinung nicht als "islamische Stellungnahme, sondern als die eines Arztes" zu sehen. Wegen Rufschädigung werde er gegen Medien vorgehen, die nicht korrekt berichtet hätten. Sein Rückzug sei "kein Schuldeingeständnis" sondern bezwecke, die Debatte um die IGGiÖ zu beenden.

Hamidi lebt seit fast 30 Jahren in Österreich. Er habe immer klargemacht, dass er sich zur hiesigen Gesetzgebung und Kultur bekenne, betont er. Als Arzt mit Spezialgebiet Diabetes und Übergewicht sei seine erste Empfehlung immer Bewegung. Allein das belege, dass er nie vom Sport abraten würde.

Zunächst war Hamidi mit den Worten zitiert worden: "Zu viel Sport ist für den weiblichen Organismus nicht gut, das ist eindeutig bewiesen. Männer können schließlich auch nicht schwanger werden. Frauen sind körperlich schlechter dran. Hormonstörungen und sinkende Knochendichte sind die Folge." Später beschränkte er diese Aussage auf Leistungssport: Der führe "zu kleineren Brüsten, der Hormonhaushalt gerät ins Wanken und die Körperbehaarung nimmt zu".

Der Wiener Stadtschulrat übt weiter Druck auf Hamidi aus

Harsche Kritik erntete Ahmet Hamidi auch von den Behörden. Der Wiener Stadtschulrat erwartet von Hamidi noch einen weiteren Rücktritt, nämlich den von seiner Funktion als Fachinspektor für islamischen Religionsunterricht. Im kommenden Schuljahr solle Hamidi dieses Amt nicht mehr ausüben, forderte ein Sprecher des Stadtschulrats. Bis vor wenigen Jahren mischten sich die Behörden kaum in die Kontrolle des Islamunterrichts ein, da dies in Österreich innere Angelegenheit einer Glaubensgemeinschaft ist. Die Sensibilität für den Islamunterricht ist offensichtlich gestiegen. Hamidi will das Amt als Fachinspektor aber weiterhin ausüben. Erzürnt über seine Aussagen ist auch die Ärztekammer. Diese entbehrten "jeglicher wissenschaftlicher Evidenz", erklärte Kammer-Präsident Walter Dorner.

Dass Hamidi schon nach zwei Tagen Kritik sein Amit als Vizepräsident niedergelegt hat, zeigt, wie schnell man in der IGGiÖ schon auf Kritik reagiert. Der Rücktritt entbehrt freilich nicht einer gewissen Ironie, insofern seine Amtszeit am Sonntag ohnehin zu Ende gegangen wäre. An diesem Tag werden die Mitglieder des neu gewählten Schurarats - des legislativen IGGiÖ-Organs - zusammentreffen, um aus ihren Reihen den Obersten Rat - das Exekutiv-Organ - zu wählen sowie dessen Vorsitzenden und Stellvertreter. Beide Amtsträger übernehmen auch die Funktion des Präsidenten und Vizepräsidenten der IGGiÖ. Da Hamidi kein Schurarat-Mitglied ist, wird er in der künftigen IGGiÖ-Führung keine Funktion innehaben.

Als sicher gilt bereits, dass der Schuraratsvorsitzende Fuat Sanac zum nächsten IGGiÖ-Präsidenten gewählt werden wird. Auf die Wortmeldung Hamidis angesprochen betont Sanac, dass es sich um keine offizielle Position der Islam-Vertretung handle: "Hamidi hat als Arzt gesprochen." Aus der Sicht von Sanac ist Sport gut für Mädchen. "Ich habe meine Schüler immer motiviert, Sport zu betreiben und zu musizieren", betont er. "Diese beiden Tätigkeiten bringen die Menschen zusammen. Sie vergessen dann ihre ideologische Ausrichtung." Deshalb sei er auch überzeugt: "Sport und Musik sind für die Integration vorrangig." Darüber hinaus fördere Sport den Selbstrespekt, weiß der ehemalige professioneller Boxer. Seine Kinder seien ebenfalls sportlich aktiv.