"Wiener Zeitung": Offiziell sind Sie seit Sonntag Präsident der IGGiÖ, inoffiziell gelten Sie schon seit Monaten als Nachfolger von Anas Schakfeh. Warum war das so lange klar?

"Traditionen sind manchmal stärker als der Islam", meint Fuat Sanac. Foto:Stanislav Jenis - © Stanislav Jenis
"Traditionen sind manchmal stärker als der Islam", meint Fuat Sanac. Foto:Stanislav Jenis - © Stanislav Jenis

Fuat Sanac: Da muss man die Anderen fragen, weshalb sie mich nominiert haben. Ich habe von mir aus nie gesagt, dass ich ein Kandidat bin. Ich fühle mich in jeder islamischen Vereinigung zu Hause und betrachte alle Muslime hier als meine Geschwister, egal von welcher Organisation.

Bisher haben viele Muslime die IGGiÖ nicht gekannt oder nur als einen Verein unter vielen wahrgenommen.

Das ist richtig. Aber nun hat sich viel geändert. Wir bringen uns stärker ein, damit die Muslime die Wichtigkeit der IGGiÖ für sie verstehen. Auch durch die Wahlen wurde die IGGiÖ bekannter. In Österreich laufen alle religiösen Belange über Glaubensgemeinschaften. Alles, was die Muslime betrifft, geht über die IGGiÖ. Bis jetzt haben wir das die Menschen nicht spüren lassen, sondern unauffällig gearbeitet. Wenn ein Moscheeverein oder eine islamische Schule gegründet wurde, hat uns die Vereinspolizei die Statuten zur Genehmigung vorgelegt. Die Vereinsgründer haben das nicht erfahren.

Über Parteipolitik wollen Sie nicht reden. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache haben Sie aber als "guten Menschen" bezeichnet. Warum?

Ich will nicht mehr über Tagespolitik reden. Allgemein kann ich sagen: Alle Menschen sind von sich aus gut. Ich bin mit Menschen anderer Religionen und Ideologien befreundet. Wir sind oft nicht derselben Meinung, aber das heißt nicht, dass sie keine guten Menschen sind. Gott hat die Menschen nicht schlecht erschaffen. Die Umstände machen sie schlecht.

Auch zu Entscheidungen, die die Muslime betreffen, wollen Sie nichts mehr sagen?

Wenn es um menschliche Probleme geht, die auch die Muslime betreffen, werde ich mich dazu äußern.

"Religion soll nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung der Integrationsfrage sein", sagte Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz. Was kann Religion hier tun?

Religion soll die Menschen glücklich machen. Sie hat Gebote und Verbote, damit man auch seelisch gesund lebt. Zur Integration gehört, dass man in Frieden miteinander lebt. Dabei kann Religion helfen. Für mich ist der Islam der Mittelweg. Extremismus - Übertreibung oder Untertreibung - ist verpönt. Wer die Anderen zu Feinden erklärt oder alles, was der Islam vorschreibt, wegschmeisst, ist extrem.