Wilhelm Gause ist es zu verdanken, dass sich KR Dr. Markus Stöllnberger, Wien 19, "nach Jahren wieder . . . an der Zeitreisennuss" versuchte. Genauer gesagt, war es ein Werk Gauses, das im Büro des Tüftlers hängt. Es zeigt Franz Joseph und eine Jagdgesellschaft in alpiner Kulisse (s. Abb.). Bekannt war der Künstler, auf den Frage 2 der Nro. 390 abzielte, v.a. für seine Darstellungen vom "Wiener Alltagsleben" und von "gesellschaftlichen Ereignissen wie Bälle und Feste", so Dr. Stöllnberger.

Künstler Wilhelm Gause (1853 oder 1854-1916) . . .
Künstler Wilhelm Gause (1853 oder 1854-1916) . . .

Geboren wurde Gause jedoch nicht in der Donaumetropole, sondern, wie KR Wilhelm Fleischberger, Baden, informiert, in Krefeld. Bei der heute im deutschen Nordrhein-Westfalen liegenden Stadt hakt Karl Warlischek, Wien 3, ein und führt auf musikalischen Nebenpfaden ins 20. Jh. In Sachen Jazz war "Krefeld . . . dereinst eine der führenden Städte". Dort gibt es den "1958 (!) gegründeten "Jazzkeller Krefeld". Hier entstanden etliche Platten . . ., die ich auch heute noch gerne höre. Auf Vinyl. Eh klar!"

Wegen ihrer bedeutenden Textilindustrie "im 18. und 19. Jh.", notiert Dr. Karl Beck, Purkersdorf, "wurde Crefeld (so die alte Schreibweise, Anm.) als "Samt- und Seidenstadt" bezeichnet."

Damit wieder zurück zu Wilhelm Gause, dessen Lebensdaten Dr. Peter Schilling, Wien 18, nennt: 1853- 1916. (NB: V.a. zeitgenössische Quellen geben auch 1854 als Geburtsjahr an.) Das Rheinland verließ der Maler, wie Christine Kainz, Wien 12, einwirft, 1879.

Zuvor hatte er, so Maria Thiel, Breitenfurt, "an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei" studiert. Christine Sigmund, Wien 23, zählt mit Andreas und Karl Müller, Wilhelm Lotz, Heinrich Lauenstein, Wilhelm Roßmann sowie Eduard Gebhardt einige seiner Lehrer auf und ergänzt, dass Gause "in Düsseldorf Mitglied des Künstlervereins Malkasten" war. Dieser 1848 gegründeten und bis heute bestehenden "vergnügten Künstlergemeinschaft" widmete sich Dr. Manfred Kremser, Wien 18, ausführlicher: "Zu den 112 (ausschließlich männlichen) Gründungsmitgliedern zählte . . . auch der deutsch-amerikanische Maler Emanuel Leutze (1816- 1868)", der das berühmte Gemälde "Washington überquert den Delaware" schuf.

Gause-Potpourri mit "Ball der Stadt Wien" 1904 (Ausschnitt l.; mit Bürgermeisterkette: Karl Lueger), "Lästerallee im Prater" um 1895 (r. o.) und einem Bild des Kaisers auf der Jagd (Datierung unbekannt). - © Foto (r. u.): Dr. M. Stöllnberger
Gause-Potpourri mit "Ball der Stadt Wien" 1904 (Ausschnitt l.; mit Bürgermeisterkette: Karl Lueger), "Lästerallee im Prater" um 1895 (r. o.) und einem Bild des Kaisers auf der Jagd (Datierung unbekannt). - © Foto (r. u.): Dr. M. Stöllnberger

Gause, so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, "zog nach Wien und lebte fortan in Währing". Die genaue Adresse entnahm Brigitte Schlesinger, Wien 12, einem Zeitungsbericht aus 1889 über einen Schicksalsschlag: "Heute Früh ist in ihrer Wohnung, Währing, Karl Ludwiggasse (nun Weimarer Straße, Anm.) Nr. 44, die Gattin des akademischen Malers Wilhelm Gause, Frau Sophie Gause, plötzlich gestorben." Die 34-Jährige habe angeblich von einer Hebamme "ein Medicament erhalten . . ., welches den Tod der jungen Frau herbeigeführt oder beschleunigt haben soll." Ermittlungen konnten laut Artikel die Beschuldigte jedoch nicht belasten.

. . . und sein Freund, Autor Eduard Pötzl (1851-1914).
. . . und sein Freund, Autor Eduard Pötzl (1851-1914).

Gause, der im selben Jahr wieder heiratete, hatte drei Töchter, deren Namen Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, angibt: Mini, Grete und (die aus zweiter Ehe stammende) Isolde. Alle drei "widmeten sich ebenfalls der Malerei". Isolde (1905- 1977) war Schülerin des Wiener Malers Eduard Zetsche (1844-1927).

Weiters gab es noch die Söhne Bruno (aus erster Ehe), der eine Architektenlaufbahn einschlug, und Hans, der, wie schon zitierte Tüftlerin Schlesinger herausfand, 1912 im Alter von 22 Jahren starb.

Mathilde Lewandowski, Payerbach, erwähnt, dass die Familie nach Stein/Donau, nun Teil von Krems, zog. Dort fand 1979 eine Gause-Schau statt, auf deren Katalog (zusammengestellt von Historiker Harry Kühnel) die Geschichtsdetektivin verweist.