In liebevolle Pflege, wie der Findling auf diesem Bild, kamen die Säuglinge nur selten. (Bild: "L’enfant trouvé", J. Gillray, 1756-1815)
In liebevolle Pflege, wie der Findling auf diesem Bild, kamen die Säuglinge nur selten. (Bild: "L’enfant trouvé", J. Gillray, 1756-1815)

Als die 40-jährige ledige Dienstbotin Anna Maria E. am Gründonnerstag des Jahres 1727 um 2 Uhr Früh im Haus ihrer Herrschaft ein Mädchen zur Welt brachte, wusste sie sich offenbar nicht anders zu helfen, als das Kind in den "Abtritt", also den Abort, zu werfen. Das lebendig geborene "Mägdlein" musste, so berichtete unser Blatt damals, "Treu- und Hülf-loß vergehen". Das "Wienerische Diarium", wie die "Wiener Zeitung" einst hieß, unterrichtete seine Leserschaft auch darüber, welche Strafe die Mutter erhielt: Sie wurde als Kindsmörderin verurteilt, "auf die (...) Richtstadt geführt / ihr alda Hand und Kopf abgeschlagen /sodann Kopf und Hand auf das Rad gestecket."

Dass verzweifelte Frauen bei ungewollten Schwangerschaften bis zum Äußersten gingen, kam nicht selten vor. Unehelicher Nachwuchs bedeutete Schande, oft genug Not und Elend. "Im 18. Jh.", schicken Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, voraus, "stieg die Rate der unehelichen Geburten europaweit stark an". Wie Joseph II. Kinder und Mütter retten wollte, recherchierte die Gemeine im Zuge der Orchidee der Nro. 392.

Kindesabgabe im Wiener Findelhaus an eine slowakische Kostfrau (rechts); links die weinende Mutter. (Bild: "Illustriertes Wiener Extrablatt", 1872)
Kindesabgabe im Wiener Findelhaus an eine slowakische Kostfrau (rechts); links die weinende Mutter. (Bild: "Illustriertes Wiener Extrablatt", 1872)

Prof. Ernst Smole griff in seiner Bibliothek zu einem "schmalen Band", erschienen 1784 unter dem Titel "Nachricht an das Publikum, über die Einrichtung des Hauptspitals in Wien". Darin wird erläutert, wie Joseph II. mit der Einrichtung des Allgemeinen Krankenhauses versuchte, "gegen Armut und Elend anzukämpfen . . . Der Inhalt wirkt gleichermaßen berührend und hochmodern", so Prof. Smole, der einige Kopien aus dem Buch schickte. Ein Kapitel ist dem zum AKH gehörenden "Gebehrhaus" gewidmet; diese Einrichtung soll, so hieß es in dem 235 Jahre alten Text, die Frauen "vor der Schand und Noth" retten und eine anonyme Entbindung ermöglichen. So konnten die Frauen "mit Larven, verschleyert, und überhaupt so unkennbar als sie immer wollen", um Einlass bitten.

Nach Pariser Vorbild

Joseph von Quarin (1733 bis 1814), erster AKH-Oberdirektor. (Bild: Archiv)
Joseph von Quarin (1733 bis 1814), erster AKH-Oberdirektor. (Bild: Archiv)

Aus welcher Institution das Allgemeine Krankenhaus hervorgegangen war, merkt Neozeitreisender Erwin Simunics, Wien 22, an: "Das Großarmenhaus wurde im Zeitraum von 1693 bis 1733 errichtet." Die Anlage befand sich, so Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, "in der Alser Straße" im heutigen 9. Wiener Bezirk. Ing. Helmut Penz, Hohenau an der March, informiert darüber, dass dort u.a. "Kriegsinvalide . . . und Obdachlose Aufnahme fanden."