Wenn Untertanen der Habsburgerlande das Fernweh packte, brachte ab und zu der Griff zur "Wiener Zeitung" Erleichterung. Im Mai 1877 konnte man etwa in der Beilage der "WZ"-Spätausgabe "Wiener Abendpost" in Reiseberichten aus Bangkok schmökern. Aber Leserinnen und Leser seien gewarnt: Die Zeilen triefen, ganz im Stil der Zeit, vor abendländischer Überheblichkeit. Von der "Ueberordnung der höheren Classen" - gemeint sind Europäer - ist die Rede sowie vom "Schmutz in den siamesischen Nationalhütten", in denen "Menschen auf der niedrigsten Culturstufe" hausen. Noch heute lassen solche Aussagen schwer schlucken. Im alten Siam hingegen reagierte man klug und verhinderte damit das Schlimmste.

Dazu recherchierte die Gemeine anlässlich der Spezialnuss der Nro. 392. Die Rubrik KARTEN GELESEN zierte eine auf 1686 datierte Ansicht Südostasiens. Eine Ungenauigkeit im Begleittext zum abgebildeten Plan fiel Gesandtem i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, auf: Im Widmungsetikett wird ein "Ambassadeur" erwähnt. Es handelt sich dabei um einen "Botschafter" und nicht um einen "Gesandten", wie irrtümlich redaktionell festgehalten. Tüftler Dr. Litschauer dazu: "Der Botschafter vertritt das Staatsoberhaupt, der Gesandte die Regierung des Entsendestaates."

Verbannte Europäer

Bis ins 17. Jahrhundert lassen sich die Versuche der Einflussnahme in Südostasien von Europäern zurückverfolgen. Damals war Ayutthaya (andere Schreibweisen möglich) die wichtigste Stadt in Siam, wie Dr. Manfred Kremser, Wien 18, festhält.

Details liefert Herbert Beer, Wolfpassing: "Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts stand ... ganz im Zeichen der Auseinandersetzung mit den Kolonialmächten Niederlande, Großbritannien und Frankreich." Vor den Toren der Hauptstadt und im südlichen Teil des Landes gründeten sie Handelsniederlassungen. "Die Könige von Ayutthaya" nutzten das europäische Wissen für den "Bau von Befestigungsanlagen und Palästen ... Im Gegenzug wurde die Einrichtung von katholischen Missionen erlaubt".

Bedrohlich wurde die Lage, als die Rivalität zwischen den Kolonialmächten wuchs und diese ihre Soldaten aufmarschieren ließen. Schließlich erzwangen die Niederlande 1664 ein ungerechtes Handelsabkommen mit dem siamesischen König Narai (reg. ab 1656). Tüftler Beer weiter: "Dies missfiel vor allem dem siamesischen Adel, der 1688 eine Krankheit des Königs ... zum Anlass nahm zu revoltieren." Der Putsch gelang. Die Kolonialmächte wurden unverzüglich des Landes verwiesen. Daraufhin konnten Europäer über 130 Jahre lang in Siam nicht mehr Fuß fassen.