Eine kleine kolorierte Darstellung von Wien, erschienen um 1735 in einem niederländischen Atlas, war in Zeitreisen Nro. 390 präsentiert worden. Die Skizze, rechts nochmals verkleinert wiedergegeben, zeigt die Situation der Donaumetropole während der Zweiten Türkenbelagerung 1683. Welche Objekte sind darauf eingezeichnet? Die Gemeine nahm den Plan genauer unter die Lupe.

Zunächst fällt Mag. Florian Skuk, Wien 19 (willkommen im Tüftlerkreis!), auf, "dass die Karte "auf dem Kopf steht""; sie ist also nicht wie heute üblich genordet, sondern "nach Südwest/Südsüdwest" ausgerichtet. Im Zentrum sieht man die befestigte Stadt, wobei sie "mit Ausnahme der Fortifikationen sehr grob" umrissen ist. "Zwischen Burg- und Mölkerbastei sind . .. Laufwege und Minen der osmanischen Belagerer dargestellt . . . Die Basteien zwischen Burg und Schottentor sind benannt, aber ein Detail fehlt: Der - im Verlauf der Belagerung unterminierte und schließlich aufgegebene - Burgravelin, die "Schanze"".

Hermes Schallautzer , Bürgermeister von Wien 1538f. (Bild: Archiv; Schmuckfarbe: "WZ")
Hermes Schallautzer , Bürgermeister von Wien 1538f. (Bild: Archiv; Schmuckfarbe: "WZ")

Apropos Basteien: Deren französische Bezeichnungen in der Legende haben es Gesandtem i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, angetan: Für Löwelbastei steht "Bast. du Lion", also "wörtlich Löwenbastei". Es hat sich "offenbar nicht bis in die Niederlande herumgesprochen", dass diese Fortifikation "seit 1649 . . . nach dem Stadtwache-Obristen Hans Christoph Löbl" so genannt wurde. Ihm bzw. seinem Sohn Hans Bernhard war die "Bastei auf Lebenszeit zur Nutzung und zum Gebrauch überlassen . . . Nichts aber übertrifft die "Bast. Bourgeois" und die "Porte des Bourgeois" für Burgbastei und Burgtor. Die Autoren der Legende machen im Französischen daraus die Bürgerbastei und das Bürgertor - da kommt wohl der Geist der um 1735 recht "republikanischen" und "bürgerlichen" Generalstaaten der Niederlande zum Ausdruck!"

"Charmant" findet Manfred Bermann, Wien 13, die Übersetzung der Mölkerbastei als "Bast. du Molek", als ob sie "von Herrn Molek stammen würde, statt - wenn schon - . . . "de Molek" als Sachbezeichnung. Naja, so etwas passiert, wenn man in Wien . . . nicht gerade zu Hause gewesen sein dürfte . . ." Benannt ist die Bastei eigentlich nach dem dortigen Besitz des Stifts Melk.

Lukrative Geiselnahme

Tüftler Bermann blickt auch auf die Errichtung der Stadtmauer in der Babenbergerzeit zurück: Im 12. Jh. entstand die Ringmauer, finanziert "großteils mit dem Lösegeld", das man für die Freilassung des in Erdberg gefangen genommenen Richard Löwenherz erhielt.