Marktszene in Sarajewo 1878. - © Ausschnitt einer zeitgenössischen Ansichtskarte/gemeinfrei
Marktszene in Sarajewo 1878. - © Ausschnitt einer zeitgenössischen Ansichtskarte/gemeinfrei

Einst eine malerische Handelsstadt, steht Sarajewo nun für ein Gebiet, das jahrhundertelang zwischen den Machtansprüchen der Habsburgerlande, Russlands und des Osmanischen Reichs zerrieben wurde. Südosteuropas Historie führt Mag. Hermann Hayn, Ma. Enzersdorf, zu einem kühnen Konzept: "Die Geschichte des Balkans ... zeigt, dass eine konsequente Umsetzung des Nationalstaatsgedankens zu Krieg, Gewalt und Blutvergießen führt ... Der Nationalstaat sollte in Europa die Ausnahme sein statt der Regel".

Das Interesse der Gemeine an der Region weckte die Rubrik KARTEN GELESEN in Nro. 393, in der es u.a. um Bosnien 1908 ging.

Der Vorstoß der Donaumonarchie in den Südosten lag auch im Machtstreben eines anderen Reichs begründet. Bereits im Juli 1697, so Volkmar Mitterhuber, Baden, übernahm Prinz Eugen (1663-1736) "den Oberbefehl gegen die Osmanen", deren Hoheitsgebiet an das Königreich Ungarn anschloss.

Dampfend heißen Kaffee mit Blick auf Bosniens Hauptstadt genoss die Bevölkerung unter osmanischer Herrschaft.  - Gemälde (leicht beschnitten): Türkisches Kaffeehaus..., Franz Leo Ruben, 1897/©Belvedere, Wien
Dampfend heißen Kaffee mit Blick auf Bosniens Hauptstadt genoss die Bevölkerung unter osmanischer Herrschaft.  - Gemälde (leicht beschnitten): Türkisches Kaffeehaus..., Franz Leo Ruben, 1897/©Belvedere, Wien

Der Feldherr, dessen militärisches Geschick den Habsburgern zur größten Ausdehnung ihres Herrschaftsbereichs verhalf, ging dabei nicht zögerlich vor. Schon im September marschierten die Truppen im Eilschritt gen Sarajewo, das in der damals osmanischen Provinz Bosnien lag. Dort war man vom überfallsartigen Angriff überrascht und den Truppen beinahe wehrlos ausgeliefert. Die Eroberung hinterließ nichts als Trümmer: Die Stadt wurde geplündert und niedergebrannt.

Kongress mit Kalkül

In den folgenden zwei Jahrhunderten zahlte Südosteuropa den Tribut für das Machtgerangel anderer.

Einen Meilenstein markierte der russisch-osmanische Krieg 1877/78. Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Nach Russlands Sieg über die Türkei "wurde ein Kongress in das "neutrale" Berlin einberufen".

Auch die Rolle Wiens wurde dort geregelt; mit Ergebnis Nr. 1: Bosnien-Herzegowina kam voll und ganz unter die "Verwaltung" der Doppelmonarchie (bei dieser Kontrolle über das Territorium wurde dem Sultan formell die völkerrechtliche Oberhoheit zugestanden - natürlich nur auf geduldigem Papier).

Resultat Nr. 2: Im Sandschak Novi Pazar erhielt Österreich-Ungarn das Recht, Truppen zu stationieren. Dieser Korridor zwischen den unabhängigen Staaten Serbien und Montenegro diente als strategisch äußerst wertvolle "Pufferzone". Ein entscheidendes Detail dabei nennt Gerhard Toifl, Wien 17: Der Sandschak Novi Pazar gehörte "zum Osmanischen Reich."