- © WZ-Faksimile: Moritz Szalapek
© WZ-Faksimile: Moritz Szalapek

"Wilde müssen wir vorstellen", klagt die 1896 in Wien als Attraktion vorgeführte Aschanti-Frau Tíoko ihrem österreichischen Bewunderer, der sie fragt, warum sie bei der Kälte nackt herumlaufe. Und: "In Afrika könnten wir so nicht sein. Alle würden lachen." Diese Worte stammen aus Peter Altenbergs 1897 erschienener Prosaskizze "Ashantee". Angehörige der westafrikanischen Ethnie wurden damals im Tiergarten am Schüttel im Prater zur Schau gestellt.

Dass diese Art der Belustigung, die Ende des 19. Jh.s in vollem Schwange war, bereits im Biedermeier existierte, belegt eine am 28. Mai 1834 in der "WZ" geschaltete Annonce: Schausteller Heinrich Hill lockte mit "drey seltenen Menschen" aus "verschiedenen Welttheilen".

Hill war schon 1813 mit drei "Indianern" aus "Zeylon", nun Sri Lanka, durch die Lande gezogen; so dokumentiert es ein in Augsburg erschienenes Inserat. Darin wird auch verkündet, dass das Trio "lebendige Thiere zum Speisen erhält" - fast wie bei einer Fütterung im Zoo.

Was dachten derart Gedemütigte wohl von den gaffenden Europäern? 1896 schrieb eine Aschanti-Frau in einem offenen Brief: "Diese Weißen sind sehr dumm. Wenn sie zu uns kommen würden, es würde kein Aschanti einen Heller zahlen, um sie zu sehen."