Die Bewunderer dieses deutschen Bestsellers sind Legion. Von Johann Wolfgang Goethe über Karl Philipp Moritz bis hin zu Arno Schmidt fand das Werk, das sich die Gemeine anlässlich der kleinen Nuss Nro. 391 vorknöpfte, prominente Fürsprecher. Mit ihrer Kritik hält Mathilde Lewandowski, Payerbach, trotzdem nicht hinterm Berg: "Stilistisch ist dieser Roman für uns heutige Leser umständlich, weitschweifig, langatmig". Die Rede ist von einem 1731ff erschienenen Werk, für das später der Titel "Die Insel Felsenburg" aufkam. Autor ist Johann Gottfried Schnabel (geboren 1692, gestorben wohl in den 1740ern), der das Pseudonym Gisander verwendete. Die Tüftlerin ergänzt, dass die letzten beiden der insgesamt vier Bände "qualitativ sehr stark abfallen".

Am Ende umfasste der Roman insgesamt "etwa 2500 Druckseiten", so Herbert Beer, Wolfpassing.

Über Klippen zum Idyll

Zunächst nennt Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, den ersten Teil des barocken Titels, der auch Inhaltsangabe ist: "Wunderliche Fata einiger See-Fahrer, absonderlich Alberti Julii, . . . Welcher in seinem 18den Jahre zu Schiffe gegangen, durch Schiff-Bruch .. . an eine grausame Klippe geworffen worden, nach deren Ubersteigung das schönste Land entdeckt, sich daselbst mit seiner Gefährtin verheyrathet, aus solcher Ehe eine Familie von mehr als 300. Seelen erzeuget . . ."

Die bei Leserinnen und Lesern schon gebräuchliche Bezeichnung "Die Insel Felsenburg", so Maria Thiel, Breitenfurt, wurde bei einer 1828 von Ludwig Tieck besorgten Neuausgabe als Titel verwendet.

Barocker Titel des Romans von Johann Gottfried Schnabel. - © Archiv/gemeinfrei
Barocker Titel des Romans von Johann Gottfried Schnabel. - © Archiv/gemeinfrei

"Wieviel Recherchearbeit man sich mit dem Internet erspart", staunt Dr. Alfred Komaz, Wien 19. Die in den Zeitreisen gestellte Frage nach einem 1731ff erstmals in Nordhausen publizierten (vor-)aufklärerischen Inselbuch ließ sich damit leicht lösen. "Aber dann haben auch alte Bücher . . . ihren Wert bewiesen", so Dr. Komaz, der eine Literaturgeschichte aus seiner Schulzeit zur Hand nahm und darin eine gute Inhaltsangabe fand. Kern der Utopie sind vier Schiffbrüchige: der im Titel genannte Albertus Julius, das Ehepaar van Leuven und der französische Schiffskapitän Lemelie.

"Sexuelle Gier, Zwietracht, Kämpfe, Mord, Rache", skizziert Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, die Ausgangssituation der Schiffbrüchigen, die auf einer unbewohnten (fiktiven) Insel "südöstlich von St. Helena" landen. Letztlich baut Albert eine idyllische Gesellschaft auf, in deren Zentrum er "und die schwangere Concordia" stehen. Mit ihrer Heirat folgen sie dem, wie es im Roman heißt, "von Natur aus allen Menschen eingepflanzten Trieb zum Ehestande".