Affen als Sklaven

Auf den "durchschlagenden Erfolg" von Daniel Defoes 1719 erschienener Geschichte um Robinson Crusoe und die "zahllosen Nachahmungen" verweist Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: "Schnabel weitete die Thematik Defoes zur Utopie aus, indem er die Gründung eines auf den sozialen und moralischen Prinzipien der Aufklärung beruhenden Gemeinwesens . . . darstellte . . . Hier gibt es keinen Konfessionsstreit, keine Standesunterschiede, weder Armut noch Reichtum."

Es "gilt unter uns dreyen einer so viel als der andere", heißt es im Roman, wobei die Vierte im Bunde, Concordia, außer Acht gelassen wird. Auf der Insel Felsenburg sind nämlich nicht alle Menschen gleich, sondern nur die Männer, handelt es sich doch, wie Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, darlegt, um ein Patriarchat.

Von einem "urkommunistisch-lutherischen Leben" ist in einer Interpretation die Rede, auf die DI Karin Endler, Wien 23, stieß. Dort wird auch ein interessantes Detail erwähnt: "Um die niedrigen Arbeiten kümmern sich Affen, die . . . eher sklavisch gehalten werden." Die Geschichtsdetektivin stöberte auch einen Artikel auf, den die "WZ" 1931 zum 200-Jahr-Jubiläum bzw. einer damals erschienenen Neuausgabe der "Felsenburg" brachte. Autor "R. H.", hinter dem sich der damalige "WZ"-Chef Rudolf Holzer verbarg, schrieb vom "Streben nach sozialer Lebensreform", das sich im Roman ausdrücke.

Schreibender Wundarzt

Besonders in den "zahlreichen eingeschobenen Lebensläufen der Personen" aus der alten Welt, die auf der Insel ihren Frieden finden, spiegelt sich, so Dr. Harald Jilke, Wien 2, "Kritik an den Zuständen im Europa" der damaligen Ära.

Den deutschen Schriftsteller und Schnabel-Verehrer Arno Schmidt (1914- 1979) zitiert Brigitte Schlesinger, Wien 12: Aus "wenigen deutschen Büchern hat sich der Untertan mehr Trost geholt als eben aus dieser Insel Felsenburg". Die Tüftlerin beschreibt Schnabel als Kind des Krieges, dem noch dazu beide Eltern starben. Er erinnert in gewisser Weise an Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, den Schöpfer des "Simplicissimus" - nur dass diesen eben der Dreißigjährige Krieg prägte.

Die hässlichste Seite seiner Zeit kannte der ausgebildete Barbier Schnabel nur zu gut, war er doch, wie Volkmar Mitterhuber, Baden, recherchierte, "Feldscher . . ., ein militärischer Wundarzt niedrigen Ranges". Er diente "bis 1713 bei den Wolfenbüttelschen Regimentern, die im Spanischen Erbfolgekrieg (1701- 13/14) unter Prinz Eugen mitkämpften".