Nicht ins Häferl, aber vielleicht etwas zu tief in den Weinbecher schauten einst einige Mönche.  - © Bild (gemeinfrei): frz. Handschrift des 13. Jh.s
Nicht ins Häferl, aber vielleicht etwas zu tief in den Weinbecher schauten einst einige Mönche.  - © Bild (gemeinfrei): frz. Handschrift des 13. Jh.s

Genug ist genug!, hat sich Anfang des 15. Jahrhunderts wahrscheinlich auch die Obrigkeit gedacht, als sie auf die Freyung in Wien neue Mönche berufen ließ. Die bis dahin ansässigen Iren, die Schotten genannt wurden, waren - laut Chronisten - zu ausschweifend gewesen.

Wieso und wann die Geistlichen an die Donau kamen, recherchierte die Gemeine anlässlich der Orchidee der Nro. 394. Ihr Thema, das Schottenkloster bzw. -stift, stellt Martha Rauch, Wien 14, an den Anfang.

Auf ein Zitat von Johann Rasch (um 1540-1612), Geschichtsschreiber und Organist dieses ältesten Wiener Klosters, stieß Christine Sigmund, Wien 23; es beleuchtet die Vorwürfe gegen die Brüder: "Sie fiengen an, von closterlicher geistlicher zucht und erbarkeit sich zu begeben auff allerley den religionsleuten unzimliche werck". Die Anschuldigungen reichen von Handel mit Rauchwaren (Pelzwaren) über das Ausrichten von Tänzen und Theateraufführungen bis hin zum Versatz von Kelchen und Glocken.

Freyung mit Schottenkirche 1847. Unten Plan, der Wien 1155 zeigt. - © Oben: Dorotheum (Rudolf von Alt). Unten: gemeinfrei/Mansfeld, Historischer Grundriss... Wien 1802
Freyung mit Schottenkirche 1847. Unten Plan, der Wien 1155 zeigt. - © Oben: Dorotheum (Rudolf von Alt). Unten: gemeinfrei/Mansfeld, Historischer Grundriss... Wien 1802

Es sei jedoch festgehalten, dass einige Historiker diese Beschreibung, die erst lange Zeit nach dem Weggang der irischen Mönche verfasst wurde, als übertrieben einstufen.

Einen weiteren Grund für die "Neubesetzung" anno 1418 nennt Wolfgang Woelk, Gotha/D: Den "irischen Mönchen fehlte . . . der Nachwuchs". Es lebte nur mehr eine Handvoll Brüder im Kloster. Diese Kombination aus "geringer klösterlicher Disziplin und Personalmangel", wie Volkmar Mitterhuber, Baden, es formuliert, führte dazu, dass der Habsburger "Albrecht V. (1397-1439, Herzog von Österreich seit 1404) im Zuge der Melker Reform den Schotten . . . das Kloster . . . entzog." Sie hatten sich auch geweigert, "österreichische Novizen in ihre Abtei aufzunehmen." Der Herzog siedelte in der Folge, wirft Mag. Franz Stefl, Moosbrunn/NÖ, ein, "Benediktiner aus Melk" an.

Zur Klosterreform ergänzt Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Diese ist im Wesentlichen eine Erneuerung der benediktinischen Ordensregel und betraf die strenge Beachtung der Fastenregeln, des Armutsgelübdes, der klösterlichen Disziplin und des liturgischen Lebens." Ihren Ausgang nahm sie "1418 . . . in Melk . . . mit dem Amtsantritt des Abtes Nikolaus Seyringer".

Regensburg und zurück

In dem Streit zwischen den Schotten und dem Herzog gab Abt Thomas III. nach, wie Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, ausführt: Er trat "am 9. August 1418" ab "und erklärte sich bereit, gegen . . . Reisegeld und der Zusicherung von freiem Geleit, Wien zu verlassen."