Als einmal einige Buben beim Rauchen erwischt wurden, zitierte der Direktor sämtliche Schüler seines Instituts zu sich. Was nun folgte, war für das 19. Jahrhundert keineswegs typisch: Der Schulleiter hielt eine "warme erläuternde Ansprache" und appellierte an die Verantwortung der Jugendlichen. So schilderten es später mehrere Zöglinge. Während anderswo geschlagen und gebrüllt wurde, durchliefen die Knaben "Lähne’s Lehr- und Erziehungs-Institut" quasi "spielend" und blieben dabei "an Leib und Seele gesund". Mit diesen Worten lobte ein Wiener Blatt die 1853 vom preußischen Pestalozzi-Anhänger Friedrich Lähne gegründete "Musterschule" im ungarischen Ödenburg/Sopron.

Dieses Inserat erschien am 26. Juni 1877 in der "Wiener Zeitung". Bis dahin hatte der zugewanderte Protestant Lähne schon etliche Anfeindungen pariert. 1868 erschütterte ein Suizid das Haus; ein 16-jähriger Knabe aus Wien hatte sich mit Zyankali aus dem Chemie-Labor vergiftet.

Doch die Anstalt wuchs und gedieh. Angesehene Familien schickten ihre Sprösslinge zu Lähne. Nach dessen Tod um 1880 leitete u.a. Sohn Wilhelm die Schule. 1918 schloss sie ihre Pforten.