Solche "echten" Fragen schätze ich besonders", zeigte sich DI Eva Baumgartner, Gablitz, ob des Rätsels um Richard Klepzig in der Mai-Ausgabe der Zeitreisen wissbegierig. Zur Erinnerung: Vor einem Monat bat Wolfgang Woelk, Gotha/D, um die Hilfe der Gemeine. Er forsche nämlich zu jenem 1860 in Halle an der Saale geborenen Architekten, stoße aber an einem bestimmten Punkt in dessen Vita an Grenzen. Richard Klepzig übersiedelte nämlich nach Österreich, hinterließ hierzulande jedoch offenbar nur wenige Spuren.

Also begab sich DI Baumgartner auf die Fährte - mit vollem Erfolg. Chapeau! Zunächst stöberte die Geschichtsdetektivin in "Lehmanns Allgemeinem Wohnungs-Anzeiger". Dem von der Wienbibliothek digital zur Verfügung gestellten Adressbuch entnahm die Tüftlerin, dass Klepzig in den Ausgaben "1918- 1922 . . . in Wien V, Margaretenstraße 164" als wohnhaft verzeichnet war.

Eine Spur nach Mödling fand DI Baumgartner in einer am 8. Juni 1923 im "Neuen Wiener Tagblatt" geschalteten Annonce: "Geschäfts- und Wohnhaus an der Mariahilferstraße, nahe dem Gürtel, sofort zu verkaufen." Interessenten mögen sich an "R. Klepzig, Mödling, Neugasse 23", wenden. Da "Klepzig in Österreich . . . ein eher seltener Name ist", werde es sich wohl um den Gesuchten handeln.

Ein Blick ins aktuelle Telefonbuch auf der Suche nach etwaigen Nachfahren ergab ebenfalls Optionen, denen Tüftler Woelk nachgehen will. Der Zeitreisende aus Thüringen bedankt sich sehr für die Hinweise, die ihn "ein ganzes Stück weiter" bringen.

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Was ist eine gute Pädagogin, ein guter Pädagoge? Vielleicht er? "Jakob Maehl: Weber, hat die Fünfzig hinter sich", er "quiekte mehrmalen" beim Vorsingen. Eine Bibelstelle gibt er "mit 10 Lesefehlern" wieder. "Dreierlei Handschriften gelesen, schwach und mit Stocken". Zum Diktat wird vermerkt: "3 Zeilen geschrieben, fünf Fehler." Und: "Des Rechnens auch nicht kundig."

Wer glaubt, dass dieser Bewerber um eine Schulmeisterstelle in einem pommerschen Dorf anno 1729 mit Bomben und Granaten durchfallen musste, irrt. Aus mehreren Kandidaten wählte das fünfköpfige Pastoren-Kolleg just ihn aus. Ein Kesselflicker brachte zwar teils bessere Ergebnisse, es sei ihm aber "nicht zu trauen, sintemalen er viel durch die Lande" ziehe. Ein einbeiniger Kriegsknecht hingegen, so fürchtete man, würde wohl "die Fuchtel gegen die armen Kindlein . . . zu stark gebrauchen". Glück für die "Würmlein", die im Preußen des 18. Jh.s oft von früheren Soldaten traktiert wurden.

Auf die aufschlussreiche Lehrerwahl, aus deren Protokoll zitiert wurde, stieß Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, in R. Böllings "Sozialgeschichte der deutschen Lehrer", Göttingen 1983. Und "was für deutsche Länder galt", vermutet die Tüftlerin, war wohl "in Österreich ähnlich".

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner