Hä süht ut as en Pöttken vull Müse - diese Worte passen gut auf den rechts unter dem biederen Herrn placierten wilden Mann. Finden Sie nicht auch, liebe Gemeine-Mitglieder? Wie bitte? Kannitverstan?

Oje, hier liegt ein Missverständnis vor - der Kannitverstan-Ausruf ist holländisch, der mit "Müse" endende Satz jedoch plattdeutsch! Denn dieses Idiom soll mithelfen, uns der Ära der mächtigen Hanse anzunähern. Zwar können wir dem Volk der Jahre um 1400 in Hamburg und verwandten Regionen nicht aufs Maul schauen, aber ähnlich wie der aus jüngerer Zeit stammende "Hä süht"-Spruch dürfte das Gerede der Leute einst geklungen haben. "Hä" steht, denken wir nur an das englische "he", übrigens für "er". Und "Müse" für "Mäuse".

Kannitverstan? Immer noch? Das ist keine Schande, schließlich besuchen wir eine fremde Welt. Als Hilfe hier aus einem Spezialwerk eine etwas gespreizte Übersetzung der Redensart ins Hochdeutsche: "Er hat ein verkniffenes (...) Gesicht mit (...) lebhaftem Mienenspiel."

Dass diese Beschreibung auf den abkonterfeiten Klaus Störtebeker zutrifft, steht wohl außer Frage. Dafür gibt der finstere Typ Fragen über Fragen auf. Sah er so aus wie auf dem uralten Phantasie-Bild? Fiel er 1401 unterm Henkersbeil? War er Seeräuber oder Freibeuter mit Kaperbrief?

Allerdings sagen die vielerlei Geschichten um den Hanse-Widersacher auch vielerlei über die Hanse aus.

Zimperlich waren die Kaufleute der Deutschen Hanse, deren Name auf den oft als "Schar" gedeuteten althochdeutschen Begriff "Hansa" zurückgeht, genauso wenig wie ihre Feinde. Wenn es um ihre Interessen und Gewinne ging, setzten sie auf alle Machtmittel. Außerordentlich kriegerisch agierten die Vertreter des größten Städtebundes im Heiligen Römischen Reich gleichwohl nicht. Sie schätzten Verhandlungen und taktierten geschickt.

Voll in Fahrt und am Ziel: Schiffe der alten Kaufmannsgilde. - © Bilder: Archiv/gemeinfrei
Voll in Fahrt und am Ziel: Schiffe der alten Kaufmannsgilde. - © Bilder: Archiv/gemeinfrei

Wann der Verbund von Handelsmetropolen an Nord- und Ostsee bzw. in deren weitem Hinterland genau entstand, ist unklar; das Jahr des Untergangs ebenso. Hanse-Genossenschaften von Händlern existierten ab dem 11. Jahrhundert in Mitteleuropa, woraus sich im 13. Jahrhundert jener Bund von Kaufmannsstädten entwickelte, den man meist nur Hanse nennt.

Naturgemäß spielte das ferne Österreich keine aktive Rolle beim Werden und Wachsen der geschichtsträchtigen Gilde. Doch zu ihrer Entstehung trug Babenberger-Herzog Leopold V. allerhand bei - indirekt und dennoch wirkungsvoll: Er presste zusammen mit Kaiser Heinrich VI. dem 1192 in Erdberg gefassten König Richard Löwenherz für dessen Freilassung Unmengen Silber ab.

Folge: Als der bankrotte Herrscher Englands 1194 freikam, gewährte er Kölner Hanse-Kaufleuten in London Privilegien, die pures Gold wert waren!

Zwar hatte schon 1157ff Richards Vater, Heinrich II., den Mannen vom Rhein Rechte eingeräumt, aber der Sohn agierte großzügiger. Er musste. Um den Handel seines nun armen Landes anzukurbeln, erließ er den Händlern alle Abgaben. Somit sogar für die Gildehalle - Keimzelle des späteren großen Stalhof. Diese Niederlassung an der Themse wurde eine der Hanse-Hauptfaktoreien; andere lagen in Nowgorod, Brügge, Bergen (in Norwegen). Auch der Kölner Kaufmann Dirck (Deric) Born, dessen Porträt aus 1533 oben zu sehen ist, wirkte im Londoner Kontor.

Gilde-Städte (v. l.) Bremen, Hamburg, Lübeck vor Jahrhunderten. - © Bilder: Archiv/gemeinfrei
Gilde-Städte (v. l.) Bremen, Hamburg, Lübeck vor Jahrhunderten. - © Bilder: Archiv/gemeinfrei

Als Ende der Hanse wird oft das Jahr 1669 mit dem letzten Treffen ("Tagfahrt") des Bundes strapaziert. In Lübeck tagten neben der Gastgeberstadt noch Bremen, Hamburg, Köln, Danzig, Braunschweig (Vollmachten schickten Hildesheim, Osnabrück, Rostock). Im 15. Jh. hatten noch mehr als 150 Städte (auch außerhalb des Reichs) dem Bund angehört. War die Hanse im späten 17. Jahrhundert also mausetot? Nun, sie meldete sich des Öfteren wieder. Etwa 1827ff.

Am Freytag, den 25. Julius 1828, schrieb die "Wiener Zeitung" unter Deutschland (dem das Blatt übrigens nie Österreich zuzählte) über die zu Washington erfolgte Ratifikation des zwischen (...) Bremen, Hamburg und Lübeck, und den vereinigten Staaten von Nord-Amerika (...) 1827 abgeschlossenen Handels-Tractats. Der zwischenstaatliche Vertrag (die drei Städte waren trotz Zugehörigkeit zum Deutschen Bund völkerrechtlich souverän) sollte in harter Zeit den Güteraustausch mit den langsam aufstrebenden USA fördern.

Danach versuchte man weiterhin, den Städtebund zu beleben. So seit 1980 mit internationalen Hansetagen; in Holland schuf man dafür eine neue Hanse. Somit ist die Schar alter Stätten regen Handels im Nord- und Ostseeraum noch nicht ganz in den Wogen der Jahrhunderte versunken.

KopfnussWarum besaß Wien einst im Bereich der heutigen Köllnerhofgasse eine Art Hanse-Basis? (Geknackte Kopfnuss auf der nächsten Seite)