Sein Blutdurst machte diesen Parasiten zur medizinischen Wunderwaffe, mit der man Sieche aller Art traktierte. Kopfschmerzen? Ganz einfach: Blutegel an die Schläfen setzen! Hämorrhoiden? Blutegel! Keine Körperregion, an die Hirudo medicinalis (so der lateinische Name der zu Heilzwecken meist verwendeten Art) nicht herankam - sogar an die Mandeln. Dass die gezahnten Ringelwürmer bei manchem Übel, z.B. Thrombosen, tatsächlich helfen, ist bis heute anerkannt. Einst nahm die Behandlung jedoch zuweilen fragwürdige Auswüchse an. So kam es vor, dass an Diphtherie leidende (Klein-)Kinder nach einer bis zur Ohnmacht getriebenen Egel-Kur regelrecht verbluteten.

- © WZ-Faksimile: Moritz Szalapek
© WZ-Faksimile: Moritz Szalapek

Im Laufe des 19. Jahrhunderts florierte das Geschäft mit den Würmern, mit Ungarn und Polen als Export-Zentren. Händler aus ganz Europa trafen sich regelmäßig, etwa in Rackwitz, Provinz Posen, das sich zur Blutegel-Messestadt mauserte. Sammelten früher oft Kinder die Tiere ein, indem sie durch Gewässer wateten und anbeißen ließen, kam es mit steigender Nachfrage zur Professionalisierung des blutigen Business.

Wollte man in Wien Blutegel kaufen, empfahl sich ein Gang auf die Wieden, wie diese am 21. Juli 1847 in einer "Wiener Zeitung"-Reklamebeilage erschienene Annonce zeigt. Dort konnte man sich das gewünschte Quantum unter anderem aus Franz Zeinlhofers Teichen fangen lassen.