Die schroffen Bergmassive in der heutigen Schweiz sollen einst Schauplatz für einen sagenumwobenen Kriminalfall gewesen sein. Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, gibt den Kern der Geschichte wieder: Der "Landammann (= alemannisch für Amtsmann, Anm.) Rudolf Stauffacher" soll ca. 1290 den von Habsburg eingesetzten "Landvogt Konrad von Tillendorf" umgebracht haben. Das Tatmotiv macht stutzig: Man wollte den Untertanen zwingen, einem "Hut auf dem Marktplatz von Altdorf die Reverenz zu erweisen." Soll denn eine Nötigung zum Gruß Grund genug für die Bluttat gewesen sein? Natürlich nicht! Die Episode steht bloß für eine von vielen Schikanen, die Tillendorf der Bevölkerung zumutete.

In die Chroniken ging Stauffacher als der "Tillenschütz" ein. Der Volksmund dichtete daraus die Abenteuer eines gewissen "Tell". Auf diesen zielte auch die Frage 1 der Nro. 396 ab.

Dänisches Kernobst

Weltruhm erlangte der Schweizer Sagenheld durch den "Apfelschuss". Christine Sigmund, Wien 23, erzählt die Legende, nach der der Armbrustvirtuose Wilhelm Tell dem habsburgischen Her(r)mann Geßler (auch Gessler) - bzw. dessen Hut - den Gruß verweigert. Daraufhin befiehlt der verärgerte Despot, Tell müsse seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießen. Die lebensbedrohliche Situation geht glimpflich aus, Tell trifft das Obst, der Bub bleibt unverletzt.

Dr. Manfred Kremser, Wien 18, merkt an: Die "Apfelschuss-Szene ist keine echte Schweizer Erfindung." So taucht sie auch in der dänischen Version der Geschichte auf, "die um 1200 bis 1216 verfasst worden war". Dort allerdings trägt der schillernde Held den Namen "Toko".

Sprung in die Freiheit

Gezückte Armbrust und fester Blick: Wilhelm Tell, wie er im Buche steht.  - © Porträt: Pierre-Michel Alix (1762-1817)/Nationalgalerie Finnland (public domain)
Gezückte Armbrust und fester Blick: Wilhelm Tell, wie er im Buche steht.  - © Porträt: Pierre-Michel Alix (1762-1817)/Nationalgalerie Finnland (public domain)

Zurück nach Helvetien: Der über das grausame Spiel erzürnte Tell räumt ein, dass der nächste Schuss keinem Geringeren als Geßler selbst gegolten hätte, wenn der Sprössling durchbohrt worden wäre. Auf dieses Eingeständnis folgt unverzüglich die Festnahme Tells. Über den Vierwaldstättersee, den Werner Ogradnik, Götzis/Vlbg., und Mag. Robert Lamberger, Wien 4, nennen, soll er abgeführt werden. Dr. Karl Beck, Purkersdorf, wirft ein: "Waldstätten" war die "frühere Bezeichnung" für "Kantone ..., wobei der besagte See bis ins 16. Jh. Luzerner See hieß."

Zeitreisenehepaar Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, führt die Mär fort: Tell sollte "nach Küssnacht am Nordufer des ... Sees ... gebracht und eingesperrt werden." Doch auf der Überfahrt zieht "ein heftiges Unwetter" auf.