Eine tadellos scharfe Klinge ist beim Rasieren das Um und Auf. Sie sollte, ließ "Pierer’s Universal-Lexikon" (erschienen 1824ff) wissen, "ein Kopfhaar frei in der Luft durchschneiden können." Verständlich, dass man(n) die heikle Tätigkeit lieber dem Barbier seines Vertrauens überließ. Trotzdem kam es im 19. Jahrhundert in Mode, selbst das Schermesser in die Hand zu nehmen.

- © WZ-Faksimile: Moritz Szalapek
© WZ-Faksimile: Moritz Szalapek

Eine Broschüre zur Selbstrasur aus 1846 gab eine Anleitung dafür – Schnitt für Schnitt. Liegen alle notwendigen Utensilien griffbereit und ist die Klinge auf einem Riemen frisch abgezogen, kann es losgehen: "Man zieht die Haut mit den Fingerspitzen straff und setzt an dieser Stelle das Messer an, jedoch so, daß es auf der Haut fast ganz flach aufliegt. So führt man es nun (...) aufwärts", heißt es im Ratgeber konkret über die Rasur des Halses. Die hier abgebildete Annonce erschien am 1. August 1840 in der "Wiener Zeitung"-Reklamebeilage "Allgemeines Intelligenzblatt". Zwar wird darin verkündet, dass ein spezieller Mechanismus "das Einschneiden beseitigt", sogar bei zittrigen Händen – von den heute gängigen Sicherheitsrasierern ist das Patent aber noch weit entfernt. Wer sich einst selbst den Bart abnahm, brauchte neben einem guten Messer also auch ein bisschen Schneid.