"Von nun an verdoppeln" will ein Wiener Kaffeehausbesitzer seine Bemühungen um "die Bedienung des hochansehnlichen Publikums". Noch mehr Gäste sollen künftig "mit allen Gattungen Getränken und Erfrischungen, so wie auch mit den gewähltesten Zeitungen" versorgt werden.

Dieses Versprechen war in einer Anzeige in der "Wiener Zeitung" am 24. Dezember 1800 abgedruckt. Darin verlautbarte Kaffeesieder Anton List eine Geschäftserweiterung in einem Haus am Graben mit der Konskriptionsnummer 660, wo das Schlossergassel abzweigte. Er habe die Erlaubnis erhalten, "den ersten Stock des daran anstossenden Marinellischen Hauses zur goldenen Krone . . . mit meinem Kaffeehause" zu "vereinigen".

Das Etablissement wurde vom Tüftlerkreis als ein Ort identifiziert, wo man sich um 1800 in Wien der Zeitungslektüre hingeben konnte. Solche Stätten waren anlässlich der Karten-Nuss Nro. 395 gefragt. Der im Mai abgedruckte Plan, der Wien anno 1799 zeigte, verleitete manches Gemeine-Mitglied zu einer virtuellen Schnitzel-, oder besser Bohnenjagd. Verwinkelt waren nicht nur die damaligen Gässchen, sondern auch die Geschichte ihrer Häuser.

Zunächst geht ein "Chapeau!" an Obertüftler Gesandten i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, dem eine Ungereimtheit im Text unter der Karte auffiel. Darin war davon die Rede, dass jemand 1799 mit dem "Diarium" in der Hand durch die Donaumetropole streift. So hieß unser Blatt jedoch offiziell nur bis Ende 1779, danach "Wiener Zeitung". Wer also 20 Jahre später sagte, dass er das "Diarium" las, hatte dies antiquarisch erstanden oder verwendete aus Nostalgie den alten Titel. Den historischen Plan bezeichnet der Tüftler übrigens als "wahres Fundstück".

Bildliche Auflösung der Karten-Nuss: Grundbesitzer "Seeger" (Häuser braun eingefärbt) findet sich im Planausschnitt ganz rechts sowie in der Singerstraße gegenüber einem Café. Im Artikel erwähnte Kaffeehäuser wurden redaktionell hervorgehoben (orange).  - © Plan (Ausschnitt): Wienbibliothek im Rathaus
Bildliche Auflösung der Karten-Nuss: Grundbesitzer "Seeger" (Häuser braun eingefärbt) findet sich im Planausschnitt ganz rechts sowie in der Singerstraße gegenüber einem Café. Im Artikel erwähnte Kaffeehäuser wurden redaktionell hervorgehoben (orange).  - © Plan (Ausschnitt): Wienbibliothek im Rathaus

Ausgehend von der Singerstraße Nr. 955, wo man unser Blatt einst kaufen konnte, fand DI Karin Endler, Wien 23, das nächstgelegene "C", für Coffehaus, im Haus Nr. 886 an der Ecke Grünangergasse. Allerdings verzeichnet "Das wienerische Auskunftsschema für Einheimische und Fremde auf das Jahr 1799" an dieser Adresse "kein Kaffeehaus". Dafür ist "für das Nachbarhaus (Singerstraße 939) ein solches angegeben. Der Inhaber war Herr Anton Lenz" (auch: Lanz).

Zu diesem wurde Spezialnussknackerin DI Endler in der "WZ" fündig. Am 20. Oktober 1792 kündigte der Kaffeesieder darin "die Übersiedlung seines Kaffeehauses "in das Görzingerische Haus Nr. 874" (später Singerstraße 939) an."