Josef Weinheber schüttelte Gauleiter Hugo Jury die Hand. - © Bild: Das interessante Blatt/Archiv
Josef Weinheber schüttelte Gauleiter Hugo Jury die Hand. - © Bild: Das interessante Blatt/Archiv

Dem 16. Wiener Bezirk fühlt sich Dr. Karl Beck, Purkersdorf, fest verbunden, hat er dort doch lange gelebt und "acht Pflichtschuljahre" absolviert. Und, bekennt der Zeitreisende, "als Ottakringer bin ich auch ein Weinheber-Fan". Wie das Geschichtsfeuilleton im Juni berichtete, wurde das Denkmal des Ottakringer Dichters Josef Weinheber (1892-1945) auf dem Wiener Schillerplatz umgestaltet. Mit der Aktion, bei der man das Fundament der Büste freilegte und eine Zusatztafel anbrachte, sollte auf die Rolle des Autors im NS-Regime - er war NSDAP-Mitglied und ließ sich von den Nazis hofieren - hingewiesen werden.

Ob man Weinhebers Werk dennoch lesen darf? Ja, meint Dr. Beck und schildert, wie er dessen Lyrik kennen und schätzen gelernt hat: Es war "anlässlich eines Gedichtvortrages in der Hauptschule. Da war es Brauch", dass die Begabtesten "vor allen Schülern Gedichte aufsagten (auswendig). "Der Auflauf" von Josef Weinheber - ich kannte es nicht - wurde vorgetragen und hat mich begeistert. Ich kaufte antiquarisch "Adel und Untergang" und bewunderte seine Blumengedichte, wie z.B. "Löwenzahn": "Keine Vase will dich . . .""

Aus dem Band "Wien wörtlich" (1935) zitiert Dr. Beck: "Gasse glastet weiß / in der Mittagsglut. / Leben schlaff und greis / an der Planke ruht . . ."

Freilich, Lesegenuss und kritische Auseinandersetzung müssen einander nicht ausschließen. Rechtfertigungen wie der folgenden (aus dem Gedicht "Moralischer", in der ein Betrunkener auf eine sich abwendende Frau einredet) sollte man aber skeptisch begegnen: "Ganz kann jå kaner / für des, wås er tuat. / Geh, setz di her zu mir, / sei wieder guat!"

Depeschen

Für Pilatus-Spezialrecherchen geht besonderer Dank an DI Eva Baumgartner, Gablitz, und Univ.-Lektor TR Dipl.-HTL-Ing. Heinrich Hetzer, Wien 23; demnächst mehr! - An Mag. Susanne Michner, Wien 9: Kopien aus alter Droste-Hülshoff-Ausgabe machten Freude! - Pfingstgrüße aus dem Guggenheim-Museum Bilbao sandte Tüftlerpaar Toifl, Wien 17 (Karte kam in der zweiten Julihälfte an); danke!

TIPP: Historiker Dr. Anton Tantner liest aus Artikeln über die Geschichte und Gegenwart Wiens, die er für die Zeitreisen sowie für "Augustin" und "Malmoe" verfasst hat. U.a. widmet er sich dem ersten österreichischen Radfahrweg von 1899, einer infamen Krawallzeitung und dem Blitzableiter am Stephansdom. Am Dienstag, 13. August, 19 h, Gemeinschaftsgarten am Wiener Donaukanal (zwischen Tel Aviv Beach und Adria Wien).

P.S. Nur diesmal entfällt die Rubrik "ZUSAMMENGELESEN" (üblicherweise auf S. VII). Im September wird Zeitreisenredakteurin Andrea Reisner wieder "Kraut und Rüben" für die Gemeine ausklauben!

P.S. Im ZEITREISENLOTTO gewann Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz - wir gratulieren herzlich!