Na das war ein Krimi!" So beschreibt Brigitte Schlesinger, Wien 12, ihre Bohnenjagd nach "Coffehäusern" auf einem alten Wien-Plan aus 1799. Dieses Schmuckstück aus der Wienbibliothek war bereits in der Mai-Nummer abgedruckt worden. Im vergangenen Monat zollte das Geschichtsfeuilleton dann jenen Spurensuchenden Respekt, die sich ins historische Gassengewirr der Donaumetropole gewagt hatten.

Nun soll Spezialtüftlerin Schlesinger gesondert vor den Vorhang gebeten werden: Sie recherchierte zu allen Häusern, in denen sie mit der Lupe auf der alten Karte ein "C" für "Coffehaus" ausmachen konnte.

Einleitend liefert die Geschichtsfreundin Statistik: "Besonderen Aufschwung erlebte das Gewerbe . . . in den 1780er-Jahren, als Kaffeehäuser zu beliebten Treffpunkten für das aufklärerische Raisonnement wurden." Basierend auf Daten aus diversen Verzeichnissen lässt sich die Zahl dieser Lokalitäten in der Stadt um die Jahrhundertwende auf ca. 30 schätzen.

Im "Nützlichen Adreß- u. Reisebuch . . ." für Wien aus 1792 fand die Nussknackerin folgende Beschreibung: "Gegenwärtig sind Kaffeehäuser eines der unentbehrlichsten Bedürfnisse jeder grossen Stadt. Wie würden so manche Müssiggänger ihre Stunden alle aufreiben; wie würde sich mancher kleinbemittelter unverheuratheter Mensch in der Eile sein Frühstück verschaffen . . ., wenn es keine Kaffeehäuser gäbe?"

Das Angebot ging weit über Bohnengetränke hinaus: ". . . man nimmt Thee, Chokolade, Punsch, Limonade, Mandelmilch, Brautsuppe (mit Wein oder Bier gekocht, Anm.), Rosoglio (Likör, oft aus Orangenblüten, Anm.), Gefrornes" etc.

In der Herrengasse

Jetzt spazieren wir mit Intensivzeitreisender Schlesinger virtuell zu ein paar der "Coffehäuser" vom Plan aus 1799. Gereiht nach der alten Häuserzählung finden wir das erste bei Konskriptionsnummer 110, heute etwa Schottengasse 1. Unweit davon findet sich ein "C" in Nr. 220 (Salzgries 16). Wegen diverser Umbauten über die Jahrhunderte stimmen die heutigen Adressen nur bedingt überein.

Einen genaueren Blick wollen wir in die "Herrngasse" (so die damalige Schreibung) machen. Dort finden sich gleich zwei Kaffeehäuser: Eines auf Nr. 257. Dieses wurde laut "Auskunftsschematismus" von Anna Maria Huberin (oder Ruberin) geführt. Heutige Adresse wäre Ecke Strauchgasse mit Blick auf das Café Central, das es, mit längerer Unterbrechung, seit 1868 gibt.

Für das zweite Coffehaus in der Gasse fand Obertüftlerin Schlesinger eine direkte Verbindung zu den damaligen "WZ"-Verlegern: Das Haus Nr. 261 (Herrengasse 2-4), das mit einem "C" markiert ist, war "1770 . . . in Besitz des Universitäts-Buchdruckers Johann Leopold van Ghelen", Sohn des "Diarium"-Herausgebers Johann Peter. Laut einem Auskunftsschematismus befand sich das Café jedoch auf Nr. 262. Betreiberin war Susana Holtzinger. Geschichtsdetektivin Schlesinger stellte einige solcher Ungereimtheiten fest: "Jetzt kann man sich aussuchen, wer Recht hat: der Planzeichner oder jener, der das Adressbuch verfasst hat."