- © WZ-Faksimile: Moritz Szalapek
© WZ-Faksimile: Moritz Szalapek

Dein ist mein ganzes Herz! Wo Du nicht bist, kann ich nicht sein . . . Money macht froh. Money macht frei. Money macht jeden Monat zum Mai . . . Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht . . . Schöner Gigolo, armer Gigolo, denke nicht mehr an die Zeiten, wo du als Husar, goldverschnürt sogar, konntest durch die Straßen reiten . . . Wer im Wien der Zwischenkriegszeit "die neuesten Schlager in größter Auswahl" suchte, wurde im Musikhaus Schlesinger, Burggasse 122 und 124, fündig, versprach eine am 12. September 1929 in der "Wiener Zeitung" geschaltete Annonce.

Ein Grundstein für das Geschäft wurde 1918 noch vor Kriegsende mit dem Ankauf gebrauchter Schellackplatten gelegt. Im Laufe der Jahre erweiterte man das Sortiment, sodass bei Schlesinger schließlich alles zu bekommen war, was das moderne Herz begehrte: Grammophone, Fahrräder, Radios, Photoapparate etc.

Das Ende vom Lied kam mit dem Einmarsch der Hitler-Truppen. Das Musikhaus firmierte noch eine Weile unter dem Namen "Germania". Glaubt man einer später publizierten Gerichtsreportage, soll es mit einem Strohmann an der Spitze weiterhin von der jüdischen Gründerfamilie geführt worden sein. Wie auch immer es sich tatsächlich abspielte: Die Abwicklung des Unternehmens ist am 24. Jänner 1940 in der (damals nur noch aus dem amtlichen Teil bestehenden) "Wiener Zeitung" dokumentiert.

Wie es den Schlesingers weiterhin erging, lässt sich ebenfalls unserem Blatt entnehmen. Ein Nachfahre schaltete im Dezember 1947 mehrere Vermisstenanzeigen. Unter anderem suchte er Arnold und Rachel Schlesinger (geb. 1903 bzw. 1912), die von ihrem Domizil in der Burggasse gen Brüssel geflohen, nach dem Überfall der Nazis auf Belgien verhaftet und "nach dem Osten gebracht" worden seien. Auch Firmenpatriarch Adolf Schlesinger, geb. 1863, war abgängig. Man hatte ihn aus einem Sammelquartier in der Wiener Adlergasse nach Theresienstadt verschleppt. Alle drei wurden ermordet.