Tod und Verwüstung an der Nußdorfer Linie, heute Teil des Bezirks Alsergrund.  - © Bild: Kolorierte Kreidelithographie/Wien Museum
Tod und Verwüstung an der Nußdorfer Linie, heute Teil des Bezirks Alsergrund.  - © Bild: Kolorierte Kreidelithographie/Wien Museum

Die äußere Liechtensteinstraße zählt nicht zu den heimeligen Gefilden des Alsergrunds, die Verkehrslawine wälzt sich durch die Straßenschlucht, und auch die unbenannte Grünfläche bei der Einmündung der Althanstraße lädt nicht zum Verweilen ein. Wer trotzdem innehält, wird dort ein seltsam anmutendes steinernes Gebilde entdecken, das mit Fug und Recht zu den hässlichen Entlein unter den Denkmälern Wiens gerechnet werden kann.

Unbeachtet verwittert es einsam vor sich hin und ergraut zunehmend. Dass dieses Denkmal an eine der spektakulärsten Katastrophen erinnert, die Wien zu Friedenszeiten heimsuchten, kann ohne weitergehende Recherche nur ausmachen, wer die schlecht lesbare, am oberen Ende des sich auf einem Sockel erhebenden Quaders angebrachte lateinische Inschrift zu entziffern weiß.

Einen weiteren, sehr verklausulierten Hinweis gibt die Kugel an der Spitze des auf dem Quader stehenden Obelisken; ein auf diesem placiertes steinernes Medaillon hilft wenig, denn wer darauf den Heiligen Leopold samt einer Ansicht von Klosterneuburg erkennen will, braucht die Hilfe einschlägiger Kunstführer.

Zig Tote zu beklagen

Ein Denkmal in der Liechtensteinstraße erinnert an das Unglück.  - © Foto: Anton Tantner
Ein Denkmal in der Liechtensteinstraße erinnert an das Unglück.  - © Foto: Anton Tantner

Was war nun das Motiv für die Errichtung dieser Säule, die zu jenem Typus Monument zählt, für das der Kunsthistoriker Dietrich Erben den Begriff "Ereignisdenkmal" geprägt hat? Die Inschrift gibt Auskunft: Verantwortlich für die Errichtung zeichnete Ambros Lorenz (1721-1781), Prälat des Stifts Klosterneuburg, der damit seine Dankbarkeit dafür zeigte, dass er am 26. Juni 1779 bei der Detonation des nahe gelegenen Pulvermagazins mit dem Leben davonkam. Lorenz hatte mit seiner Kutsche gerade das Nußdorfer (heutige Schreibweise: Nussdorf, Anm.) Linientor Richtung Klosterneuburg passiert, als durch die Explosion herausgerissene Mauerstücke und herumfliegende Geschoße sein Gefährt trafen und eines seiner Pferde töteten.

Die Kugel an der Spitze des Denkmals symbolisiert demnach eine Kanonenkugel; eine echte damals durch die Luft geschleuderte wird bis heute im Stift aufbewahrt.