Bruderzwist im Hause Inka" wäre auch ein guter Titel für diesen Artikel gewesen. Aber erstens hält Dr. Peter Schilling, Wien 18, fest, dass diese Wendung bereits dem ehemaligen Direktor des (früher so genannten) Völkerkundemuseums, Peter Kann, zugeschrieben wird. Und zweitens steht "Inka" nicht für ein dynastisches "Haus", sondern ist einerseits eine Herrscherbezeichnung, andererseits auch Synonym für das Volk.

Aber der Reihe nach: Für die Orchidee der Nro. 398 mussten die Tüftlerinnen und Tüftler nicht nur um den halben Erdball - nach Ecuador - reisen, sondern auch rund 500 Jahre in die Vergangenheit. Und zwar in eine Ära, in der das Inkareich seine größte Ausdehnung erreicht hatte.

Die Inka nannten es "Tahuantinsuyo", so Christine Sigmund, Wien 23. In Quechua, einer noch heute lebendigen Sprache, heißt das etwa "vier Regionen" - ein Hinweis auf die Verwaltungsstruktur.

Zu Begrifflichkeiten klärt Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, auf: "Inka = Herrschertitel im Inkareich". Es stand zunächst auch für einen Clan, der "die höchsten Beamten und Priester stellte". Anfänglich herrschte er ab ca. 1200 rund um Cuzco, heute eine Stadt im Süden Perus. Deren Name wird oft als "Nabel" gedeutet, führt der bereits zitierte Geschichtsfreund Dr. Schilling aus. Die Inka schufen "das größte Imperium des Alten Amerika". Es nahm "900.000km² (Österreich hat 84.000km², Anm.) ein und erstreckte sich 5000km vom Río Ancasmayo im heutigen Kolumbien bis zum Río Maule" (nun Chile).

Auf das Gebiet des modernen Ecuador gelangten die Inka bereits unter ihrem Herrscher "Túpac Inka Yupanqui", der - wie Volkmar Mitterhuber, Baden, festhält - nach europäischem Kalender von 1471 bis 1493 regierte. Wie bei allen Namen aus der Inkazeit gibt es unterschiedliche Schreibungen. "Gegen Ende des 15. Jh.s eroberten die Inka . . . das Gebiet bis in die Gegend von Pasto (heute Südkolumbien)". Sie unterwarfen dabei die Quitu-Cara.

Stilisierte Darstellungen von Kämpfern um die Kontrolle über das Inkagebiet (von links): Huáscar, Halbbruder Atahualpa und Francisco Pizarro.  - © Bilder: Archiv/S. Goodrich, Lives of celebrated American Indians, 1849/(Schmuckfarbe: WZ)
Stilisierte Darstellungen von Kämpfern um die Kontrolle über das Inkagebiet (von links): Huáscar, Halbbruder Atahualpa und Francisco Pizarro.  - © Bilder: Archiv/S. Goodrich, Lives of celebrated American Indians, 1849/(Schmuckfarbe: WZ)

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, ergänzt, dass man die Regionen "nicht in einem Zug" dem Inkareich eingliederte. Im Norden, "in der Gegend von Quito, behauptete sich . . . der Stamm der Schyri." Erst der 11. Sapa Inka (= alleiniger Inka), Huayna Capac (reg. ab 1493), unterwarf diese nach zehn Jahren "erbittertem Krieg. Er verlegte seine Residenz von der traditionellen Inkahauptstadt Cuzco nach Quito."

Halbbruderzwist