Kleine Scherzfrage vor dem großen Sprung in die Babenberger-Ära: Was verbindet Eau de Cologne mit dem Stephansdom?

Viele Zeitreisende werden passen, doch einige Leserinnen und Leser in Ottakring rufen wohl wie aus der Pistole geschossen: 4711 ist ein Duftwasser, 1147 aber weihte man St. Stephan ein!

Zur Vorgeschichte dieses Merkspruchs wird im 16. Wiener Bezirk eine spezielle Variante tradiert. Sie lautet: Über Dekaden sorgte ein engagierter Lehrer bei 10- bis 14-Jährigen für bleibendes Geschichtswissen, Mittelalter inklusive. Die Schleierlegende um die Gründung von Stift Klosterneuburg taugt bei Abc-Schützen und -Kennern zum Eintauchen in jene Epoche. Aber was tun, wenn nach der Volksschule Jahreszahlen einzuprägen sind? Nun, der pfiffige Pädagoge kannte seine Pappenheimer (NB. an alle, die die Oktober-Zeitreisen aufmerksam gelesen haben: Pappenheim’sche Details folgen später) - er schuf die "Parfüm"-Mnemotechnik.

Das mit der Gedächtnisstütze fest im Kopf verankerte Jahr 1147 liefert einen guten Ausgangspunkt für Visiten zu Begebnissen rund um dieses Datum. Zum Beispiel zu einem Ereignis anno 1156. Darauf hatte es der Eselsbrückenbauer auch abgesehen.

Womit wir mittels Ottakringer Methode bei dem (leider nicht offiziellen) Festtag Österreichs angelangt wären: Dem 8. September, dem Geburtstag unseres Staatswesens, an dem 1156 die Kernregion unserer heutigen Republik zum Herzogtum aufstieg. Das brachte im Heiligen Römischen Reich Reichsunmittelbarkeit, d.h. Landeshoheit bzw. Eigenständigkeit (über dem Herzog stand nur der Kaiser). Zuvor war Ostarrichi de iure Teil des Herzogtums Bayern gewesen; freilich im Rang einer Markgrafschaft (Mark = Grenze), die als sich zu verteidigendes Gebiet de facto autonom agiert hatte.

Wiens Wachstum 1141 ("I" auf Plan) bis 1177 ("II"); Herzogin Theodora (r.ob.) half dabei. – Herzog Friedrich II. (r.u.) war Wien wenig wert. - © Bilder: F. v. Gretzmillern, Geschichte Oesterreich’s (I, Wien 1808). K. E. Schimmer, Alt u. Neu Wien (II, Wien 1904)/Archiv
Wiens Wachstum 1141 ("I" auf Plan) bis 1177 ("II"); Herzogin Theodora (r.ob.) half dabei. – Herzog Friedrich II. (r.u.) war Wien wenig wert. - © Bilder: F. v. Gretzmillern, Geschichte Oesterreich’s (I, Wien 1808). K. E. Schimmer, Alt u. Neu Wien (II, Wien 1904)/Archiv

An Ostarrichis Spitze standen von 976 bis 1246 Markgrafen bzw. Herzöge aus dem Hause Babenberg. Verwirrung stiftet, dass diese Familie nicht erst ab 1156 Herzöge stellte. Schon Jahre zuvor war Bayern babenbergisch regiert. Auf geduldigem Papier.

So wirkte Heinrich Jasomirgott ab 1141 als Markgraf. Ab 1143 jedoch auch als bayerischer Herzog. Und damit saß er im Schlamassel: Kämpfe ohne Ende um die Großregion. Ohne Aussicht, jemals das ganze Gebiet zu beherrschen. Warum tat sich Jasomirgott das an?

Staufer und Welfen rangen im Reich um die Vormacht. Der Welfe Heinrich der Löwe wollte das seinem Vater entzogene Bayern zurück. Doch Kaiser Konrad III., Halbbruder des Babenbergers Heinrich, kam diesem entgegen, allerdings ohne ihn fest zu stützen...

Da gelangte 1152 Friedrich I. (Barbarossa, der Rotbart) an die Spitze des Reichs. Dieser Staufer mit familiären Bindungen zu Welfen wie Babenbergern galt vor allem als Realpolitiker. Er kannte den welfischen Einfluss und arrangierte sich mit dieser Seite. Für Österreich und dessen Geschlecht wurde es nun eng. Sehr eng. Unter einem Bayern-Herzog Heinrich dem Löwen würde der Markgraf zum Befehlsempfänger schrumpfen, Ostarrichi zu einem Nebenland!

Bald ging es in diese Richtung. Barbarossa übergab dem "Löwen" Bayern. Doch Jasomirgott, der Schwächere, kapitulierte nicht. Er verweigerte die Anerkennung des neuen Herzogs, taktierte, blieb hart.

Wie ihm 1156 das österreichische Wunder gelang, ist Rätsel wie sein (im Gefolge der Teilnahme an einem Kreuzzug verballhornter arabischer?) Beiname und sein Geburtsjahr (1107?; sein Tod 1177 ist belegt).

Einige Forscher ließen kein gutes Haar an dem harten Mann. Das regt zu einer schelmischen Frage an: War Heinrich kein schlauer Fuchs, der unserem Land half? Beistand bot dabei wohl die byzantinische Gattin Theodora. Ihr den (zuerst bayerischen) Herzogsrang zu nehmen, hätte Ostrom verärgert. Barbarossa machte jedenfalls den Gatten zu Österreichs Herzog Heinrich II. und Theodora zur Herzogin; beide mit Sonderrechten (Privilegium minus).

Die Kulturkennerin aus Byzanz förderte gewiss die neue Residenz Wien, vor deren Mauern Heinrich II. für Stadterweiterung baute. Die Erben setzten das fort - außer dem letzten: Der kriegswütige Babenberger Friedrich II. regt leider zu keiner schelmischen Frage an.

P.S. Auf Österreichs erste Herrscherfamilie blickte unser vor 316 Jahren gegründetes Blatt oft. Auch am 19. November 1864 und etwas später in der "WZ"-Beilage Oesterreichische Wochenschrift (Untertitel: für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben). Die Serie Oesterreichische Geschichte im Zeitalter der Babenberger verfasste Historiker Heinrich Zeißberg (1839-1899; im Blatt mit "s").

P.P.S. Der zitierte Lehrer war Ludwig Stieglitz (1922- 2012); er wirkte auch im Bezirksmuseum Ottakring.

Kopfnuss: Was feiern Katholiken am 8. September? (Geknackte Kopfnuss auf der nächsten Seite)