Auf der rund 3000 km² großen Ostseeinsel Gotland erstrahlte einst das Handelszentrum des Nordens: Visby. Etwa 200 km südlich von Stockholm, hinter massiven Mauern, liegt die als "Regina Maris", also "Königin des Meeres", bekannte Hafenstadt, hält Dr. Karl Beck, Purkersdorf, fest. Dort ging die Gemeine vor Anker, um sich auf Spurensuche zur kleinen Nuss Nro. 397 zu begeben.

Waren für das Imperium

Schon im 11. Jahrhundert, wie Maria Thiel, Breitenfurt, notiert, als "die Insel noch zum Reich der ... Svear" - ein Stamm im heutigen Schweden - gehörte, war sie "für den Ostseehandel" bedeutend.

Der Aufstieg zu "einer der wichtigsten Städte Nordeuropas" begann "etwa 1150", so Christine Sigmund, Wien 23, als Visby einen "Freihafen für ... Kaufleute" einrichtete. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, schließt an: "Von norddeutschen Hafenstädten aus, insbesondere vom 1143 neu gegründeten Lübeck, besuchten deutsche Kaufleute ... Gotland." Die Insel pflegte u.a. "Verbindungen nach Dänemark, Norwegen" sowie zum altrussischen Handelszentrum Nowgorod an der Ostsee.

Die Zugereisten schlossen sich schließlich zusammen, so DI Karin Endler, Wien 23, "um an diesen Geschäften teilzuhaben und die Verteilung der Waren ... zu den mitteleuropäischen Ländern" in ihrem Sinne zu gestalten.

"So etablierte sich in Visby eine ... deutsche Gemeinde", erklärt Gerhard Toifl, Wien 17: Deren Mitglieder tauschten mitteleuropäische Waren "(u.a. Tuche, Wein und Gewürze) gegen schwedische (Eisen), russische und ostbaltische Produkte (Pelze, Wachs)."

Den offiziellen lateinischen Namen dieser "Gemeinschaft der Gotland besuchenden Kaufleute des römischen Reiches" nennt Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Universi mercatores imperii Romani Gotlandiam frequentantes". Dr. Manfred Kremser, Wien 18, ergänzt: Diese Genossenschaft wird "als die Keimzelle der kaufmännischen Hanse angesehen". Volkmar Mitterhuber, Baden, dazu: "Erst 1356 kam es" im mecklenburgischen "Lübeck zu einem förmlichen Zusammenschluss aller hanseatischen Städte, für den 1358 die Bezeichnung "Stede van der dudeschen hense" belegt ist."

Übrigens galt zu dieser Zeit in Visby schon ein gutes Jahrzehnt das bestätigte Stadtrecht. Brigitte Schlesinger, Wien 12, dazu: Die "noch erhaltene Originalhandschrift" stammt "aus den Jahren 1341-44." Das Privileg ähnelt einem "deutschen Stadtrecht" und ist großteils, v.a. "im Privatrecht, eindeutig lübisch; im Strafrecht und im Seerecht haben sich ... nordische Bestandteile erhalten."