Kraftfuß, Motorläufer, Motorrollschuh, Autoschuh . . . Als vor einem Jahrhundert in Übersee ein Gefährt unter dem Namen "Autoped" auf den Markt kam, waren hiesige Blätter unsicher, wie sie das Novum nennen sollten. In einem waren sie sich aber weitgehend einig: Es mag interessant und sinnvoll sein - aber nicht für Wien!

Die Rede ist von dem Vehikel, das heute als "E-Scooter" durch die Straßen saust bzw. im Weg steht. Seiner Historie geht Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, nach: "Bereits 1915 kurvten Roller der Firma Autoped Company of America durch New York, wobei es sich um eine vergrößerte Variante des Kinderrollers handelte - nur mit Viertaktmotor am Vorderrad". Eingesetzt wurden die Zweiräder u.a. von der Post und angeblich von Ganoven, die "nach Überfällen . . . rasch durch schmale Gassen" entwischten.

In adaptierten Ausführungen tauchte das Verkehrsmittel in vielen Ländern auf, u.a. in Deutschland. "Das Unternehmen Krupp", so Tüftlerin Prof. Dr. Rath, "baute die Flitzer ab 1919 in Lizenz als "Krupp-Roller" nach. Allerdings blieb der erhoffte Erfolg aus. Gegen die günstigeren Fahrräder und die komfortableren Motorräder hatten sie keine Chance."

Und in Wien? Auch da holperte es. Auf den grob gepflasterten, teils steilen Straßen kam der Roller schlecht voran. Und so musste die Donaumetropole noch etwa hundert Jahre auf den motorisierten Scooter warten.

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Neue Verkehrsmittel machen oft Probleme. Ein Beispiel aus den USA des 19. Jahrhunderts bringt Prof. Brigitte Sokop, Wien 17: Als in San Francisco "Dampfstraßenbahnen eingeführt wurden, gingen beim Anblick und dem Geräusch die Pferde durch". Um die Rösser, denen man auf Schritt und Tritt begegnete, nicht zu irritieren, baute "der Erfinder S. R. Mathewson . . . eine Dampfstraßenbahn in Form eines halben Pferdes". Das 1876 patentierte Steam Horse (Dampfpferd) fuhr "mit 13 km/h" und war gasbetrieben, d.h. ohne Lärm und Rauch.

Auch in Wien tüftelte man damals an einer Alternative zum Pferdeantrieb. Um Tierschutz ging es dabei kaum. Ein "Wiener Zeitung"-Artikel von 25. November 1875 brachte die Kernfrage auf den Punkt: "Was kommt auf die Dauer billiger . . ., Dampfmaschinen oder Pferde, von denen auch die besten in zwei bis drei Jahren ruinirt sind?"

Die Dampftramway (1. Strecke 1883: Hietzing- Perchtoldsdorf) blieb in der Donaumetropole Episode. Erst Elektro-Antrieb löste die Vierbeiner ab. Die letzte Wiener Pferdetramway fuhr am 26. Juni 1903.

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