Marie Louise (1791-1847), Napoleons zweite Gemahlin. - © Bild: Public domain
Marie Louise (1791-1847), Napoleons zweite Gemahlin. - © Bild: Public domain

Die Lektüre der "Wiener Zeitung" vom 3. Jänner 1810 machte einst eine junge Frau nervös, v.a. der Satz: "Die zwischen dem Kaiser Napoleon und der Kaiserin Josephine geschlossene Ehe ist aufgehoben . . ." Brigitte Schlesinger, Wien 12, leitet mit dem Zitat aus unserem Blatt den Antwortreigen zu Frage 1 der Nro. 400 ein. Die Leserin ahnte Übles, stand sie doch ganz weit oben auf der Liste möglicher Bräute. Also griff sie zur Feder und ließ brieflich bei ihrem Vater fallen, dass sie schon einen anderen Mann ins Auge gefasst habe. Doch zu spät. Die Hochzeit mit dem Korsen war beschlossen. Die Antwort des Vaters erfolgte mündlich: "Leider Gottes, mein Kind, sie haben Dich versprochen, ohne mich zu verständigen."

Zeitreisende Schlesinger: "Wer’s glaubt, wird selig!"

Bauch-Entscheidung

Woran die erste Ehe Bonapartes mit Joséphine Beauharnais (1763-1814) gescheitert war, erklärt Dr. Harald Jilke, Wien 2: "Problematisch" war die Kinderlosigkeit des Paares. Es musste "ein männlicher Erbe" her, "der die Dynastie Bonaparte weiterführte". Joséphine konnte aber keine Kinder mehr bekommen.

Für Gemahlin Nr. 2 fiel die Wahl des 40-Jährigen, so Wolfgang Woelk, Gotha/D, auf "die älteste Tochter des österreichischen Kaisers Franz". Den Namen der damals 18-Jährigen nennt Dr. Roland Kadan, Wien 14: Marie Louise.Prof. Brigitte Sokop, Wien 17: "Wie bei einer . . . Zuchtstute studierte Napoleon ihre fruchtbaren Vorfahrinnen."

"Ich heirate ja nur einen Bauch!", zitiert Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, eine Aussage Napoleons. Allerdings musste die zugehörige Frau aus "einer alteingesessenen europäischen Dynastie sein."

Ernstlich in Frage kamen nur "drei Kandidatinnen", notiert Herbert Beer, Wolfpassing: "Eine sächsische Prinzessin, eine Schwester des russischen Zaren Alexanders I. und Marie Louise". Zu letzterer führt Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, aus: "Maria Theresia war ihre Urgroßmutter und Marie-Antoinette ihre Großtante, die knapp zwei Jahre nach Marie Louises Geburt . . . ihren Kopf unter der Guillotine verloren hatte."

Das Paar bei der Geburt des Sohnes 1811.  - © Bild: Public domain
Das Paar bei der Geburt des Sohnes 1811.  - © Bild: Public domain

Nun verheiratete man wieder eine Habsburgerin aus Gründen der Staatsraison nach Paris, noch dazu an den Mann, der die Regentenfamilie "aus Wien verjagt" hatte, so Dr. Alfred Komaz, Wien 19. Franz hoffte wohl, dass sich "an den drückenden Friedensbedingungen etwas zugunsten Österreichs ändern würde, was aber nicht eintraf."