Der Himmel über Wien soll sich in der Nacht vom 11. zum 12. Mai lila verfärbt haben", berichtet Brigitte Schlesinger, Wien 12, über das Jahr 1809. Doch es war keine astronomische Erscheinung, sondern Napoleons Heer, das die Stadt beschoss. "Überall brachen Brände aus, v.a. die Dächer der höchsten Gebäude fingen Feuer", so die Tüftlerin. In einem Keller in der Ballgasse saß Ludwig van Beethoven und presste sich "Kissen auf die Ohren".

Der mit seinen 38 Jahren damals schon stark an Schwerhörigkeit leidende Meister war es aber nicht, der in der Orchidee der Nro. 400 die erste Geige spielte. Martha Rauch, Wien 14, und Mag. Silvia Rainer-Heilmann, Klosterneuburg, nennen den Gesuchten: Joseph Haydn.

Der 1732 in Rohrau in Niederösterreich geborene, hochangesehene Künstler "war damals 77 Jahre alt", so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, und erlebte die "Beschießung der Stadt . . . in seinem Haus" in der Kleinen Steingasse Nr. 73. Die heutige Adresse nennt DI Dr. Luzian Paula, Wien 3: Haydngasse 19, Wien 6.

Todesangst

Eine Kugel verirrte sich "sogar in den Hof" des Gebäudes, ergänzt Dr. Peter Schilling, Wien 18, worauf der "Komponist, obwohl bettlägrig und am ganzen Leib zitternd, seine Hausangestellten . . . zu beruhigen" versuchte. Seine Worte gibt Dr. Roland Kadan, Wien 14, wieder: "Kinder, fürchtet euch nicht, denn wo Haydn ist, kann nichts geschehen."

Prof. Helmut Bouzek, Wien 13: "Am 10. Mai hatten die französischen Truppen die Vorstädte Wiens erreicht." Die "Stände und der Magistrat" baten "Kaiser Franz, von einer Verteidigung der Stadt abzusehen, da . . . der Bevölkerung unnötiges Leid erspart werden sollte. Nachdem eine zweimalige Aufforderung zur Übergabe der Stadt abgelehnt worden war, begann am 11. Mai, um 21 Uhr, vom Spittelberg aus das Bombardement". Wenig später "kapitulierte die Stadt."

Eine Kugel fiel auch in den Hof von Haydns Wohnhaus (nun Haydngasse 19, Wien 6). - © Bild: Zeitungsausschnitt 1909/Archiv
Eine Kugel fiel auch in den Hof von Haydns Wohnhaus (nun Haydngasse 19, Wien 6). - © Bild: Zeitungsausschnitt 1909/Archiv

Dabei hatten noch vor kurzem "Harfenisten und Bänkelsänger" in Wien siegessicher ein Lied angestimmt, das Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, zitiert: "Ein Bonaparte, stolz und kühn, / Wagt sich ins Österreich; / Der Feldherr zielt sogar auf Wien, / Welch ein verwegner Streich! / Er glaubt, daß Franz nicht Männer hat, / Die ihm entgegen gehn, / Nein, Bonaparte, die Kaiserstadt / Wirst du gewiß nicht sehn!" Es kam bekanntlich anders.

Napoleons Männer erwiesen dem weltberühmten Musiker alle Ehre. Einer der Besatzer klopfte wenige Tage nach Einnahme der Stadt an Haydns Tür, so Dr. Brigitte & Dr. Gottfried Pixner, Wien 13: Es war "Husarenhauptmann Clément Soulémy, der ihm eine Arie aus der "Schöpfung" vorsang." Es handelte sich um das Stück "Mit Würd’ und Hoheit angetan", ergänzt Maria Thiel, Breitenfurt.