Aehnlich wie Rio im Westen, ist Bombay für Indien ein Glanzpunkt tropischer Landschaft und voll des regsten Lebens im Hafen und längs der Küsten". Die Vielfalt der Ethnien und "die Mannigfaltigkeit ihrer Costüme ist hier selbst für Indien ungewöhnlich groß und ist so ein wesentliches Element, die Mächtigkeit des ersten Eindrucks zu erhöhen." Diesen 1869 im ersten Band des Forschungsberichts "Reisen in Indien und Hochasien" erschienenen Zeilen liegt eine gemeinsame Expedition dreier Brüder aus München zugrunde. Auf die Spuren dieses Trios begab sich die Gemeine anlässlich der Spezialfragen in der Rubrik KARTEN GELESEN der Nro. 398.

Entdeckungsdrang lockte schon im Jugendalter insbesondere zwei von fünf Buben aus der Familie Schlagintweit in die bayerischen Alpen. Brigitte Schlesinger, Wien 12: "1842 unternahmen der 16-jährige Hermann und der 13-jährige Adolph allein die erste große Bergwanderung." Der neunjährige Robert, der seine Brüder später begleiten sollte, durfte noch nicht mit. Die Begeisterung fürs Gebirge schlug sich dann in der Studienwahl nieder: Alle drei inskribierten Geographie.

Doch wie kamen die Wanderlustigen nach Indien? Nicht zuletzt durch die Intervention des inzwischen schon greisen Alexander von Humboldt (1769- 1859). Der gut vernetzte Forscher und Freund der Brüder ließ wohl zur rechten Zeit den Namen des Trios fallen, als die Frage auftauchte, wer die Reise unternehmen könnte.

Aber alles der Reihe nach: Die Briten versuchten damals, ihre Stellung in Asien v.a. gegen Russland zu behaupten, "auch im wissenschaftlichen Bereich", wie Dr. Manfred Kremser, Wien 18, notiert. Man wollte Vermessungen durchführen und Daten zum Erdmagnetismus erheben. Alles war geplant, als "jener britische Offizier unerwartet starb, der im Auftrag der EIC (East India Company, Anm.) den "Magnetic Survey of the Eastern Archipelago" (Magnetische Vermessung des östlichen Archipels, Anm.) in Angriff nehmen sollte".

Dr. Alfred Komaz, Wien 19: So schickte man die Schlagintweits von 1854 bis 1857 auf eine "mehrjährige Forschungsreise ... nach Indien und Zentralasien".

Rekord im Himalaya

"Auf dem Dampfer "Indus" schifften sich die drei Brüder am 20. September 1854 in Southampton ein", recherchierte Volkmar Mitterhuber, Baden. Sie "nahmen den Seeweg über Gibraltar und Malta nach Alexandria, querten Unterägypten unter teilweiser Benutzung der neuen Eisenbahn in drei Tagen", stachen ab Suez erneut in See, "mussten in Aden das Schiff wechseln und gingen in Bombay (jetzt Mumbai) am 26. Oktober 1854 wieder an Land." Dr. Harald Jilke, Wien 2, schließt an: "In der Folge bereisten sie teils zusammen, teils allein den indischen Subkontinent und den Himalaya."