Beim Schneuzen vergaß ein Mann wohl, dass er eine brennende Zigarre in der Hand hielt: Er stieß sich versehentlich die Glut ins linke Auge und verbrannte es so stark, dass es nicht mehr zu retten war.

Diesen Fall schilderten die Mediziner Adolf Zander und Arthur Geißler in der Monographie "Die Verletzungen des Auges" (Leipzig/Heidelberg 1864). Der unglückliche Raucher wird den Kauf eines künstlichen Auges erwogen haben. Als internationale Koryphäe unter den Herstellern okularer Prothesen galt damals ein Pariser namens Boissonneau. In Wien konnte man ab den 1870ern Alexander Berkovits konsultieren, der, ähnlich wie das französische Vorbild, täuschend echt aussehende Email-Schälchen anfertigte. Die hier wiedergegebene Anzeige erschien am 14. Dezember 1885 in der "WZ"-Spätausgabe "Wiener Abendpost". Prominenter Unterstützer Berkovits’ war der in Wien tätige Ophthalmologe Ferdinand von Arlt (1812-1887), dessen Name in früheren Annoncen auftauchte.

Zur Zielgruppe der sog. Augenkünstler liefert das eingangs zitierte Werk von Zander/Geißler Aufschlussreiches: Bei Kindern werden Schussverletzungen und das Hantieren mit Zündhütchen bzw. -kapseln als weitaus häufigste Ursachen für den Verlust eines Auges durch Unfälle genannt. Bei Erwachsenen geschah es vor allem an Arbeitsstätten, wo es so gut wie keine Schutzvorkehrungen gab. Kaum betroffen waren höher gestellte Personen, wobei Verletzungen mit Regenschirmen, Spazierstöcken, beim Sport oder eben beim Rauchen vorkamen. Als regionale Besonderheit wird unter anderem die Tiroler Sitte angeführt, beim Raufen die Daumen in die Augenwinkel zu bohren.

Die fetten Jahre sollten für das Geschäft mit künstlichen Augen erst im 20. Jahrhundert kommen. Die Weltkriege erzeugten ganze Heere von Einäugigen.