Waren aller Art brachten die Phönizier ihren Nachbarn. Hier auf einem Relief aus einem Grab in Theben. - © Bild: Archiv/Schmuckfarbe: WZ
Waren aller Art brachten die Phönizier ihren Nachbarn. Hier auf einem Relief aus einem Grab in Theben. - © Bild: Archiv/Schmuckfarbe: WZ

Nicht sehr umfangreich sind die Einträge zu Phöniziern (auch: Phöniker oder Punier) in Standardlexika. Umso mehr musste die Gemeine für die kleine Nuss Nro. 399 ihr Tüftlerkönnen anwenden.

Maria Thiel, Breitenfurt, liefert eine zeitliche und geographische Einordnung: "Das Volk mit ausgeprägter Hochkultur" bewohnte "im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr." die "syrische Mittelmeerküste". Dort schuf es "wichtige Handels- und Hafenstädte (u.a. das heutige Beirut)". Nach "1.000 v. Chr. gründeten die Phönizier Handelskolonien . . ., v.a. auf Zypern, Sizilien, in Nordafrika (Karthago) und Spanien." Selbst bezeichneten sie sich als "Kanaanäer".

Wolfgang Woelk, Gotha/ D, hilft mit, die Verwirrung um unterschiedliche Bezeichnungen für das Händlervolk aufzuklären: ""Punier", "Phönizier" und "Karthager" finden weitgehend synonym Verwendung."

Anzumerken ist hier, dass in vielen römischen Texten der Ausdruck "Punier", wohl aus der alten Rivalität zwischen Karthago und Rom heraus, eher abwertend verwendet wurde.

Schneckenernte

Dr. Alfred Komaz, Wien 19, ergänzt: ""Poeni" (=Punier) wurde . . . seit dem 5. Jh. v. Chr. von den Römern verwendet." Der Name "Phönizier" kommt "aus dem Griechischen und leitet sich von der . . . im Altertum sehr begehrten Farbe der Purpurschnecke ab" (griech. phoinix = purpurrot). Diese fand man vor allem in der Gegend um Sidon, südlich des heutigen Beirut. Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, erläutert: "Die Griechen bezeichneten Land und Volk nach seinem wichtigsten Handelsgut." Weiters verkauften die Phönizier vor allem Bauholz sowie Kunstgewerbeprodukte.

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, notiert: "In altägyptischen Quellen werden sie als "Fenchu" erwähnt." Die dazugehörige Hieroglyphe wird als "Baumfäller" interpretiert. "Ägypten importierte . . . Zedern für den Schiffsbau."

Christine Sigmund, Wien 23: Laut dem römischen Gelehrten Plinius d. Älteren (23-79 n. Chr.) haben "die Punier . . . die Handelsgeschäfte erfunden." Mit den Waren verbreitete sich auch ihre Sprache.

Aleph, Beth, Gimel

Aus ägyptischen Zeichen für Ochse, Haus und Schlange entwickelten sich über das Phönizische (mittlere Spalte) unsere Buchstaben A, B und N. - © Bild: Archiv
Aus ägyptischen Zeichen für Ochse, Haus und Schlange entwickelten sich über das Phönizische (mittlere Spalte) unsere Buchstaben A, B und N. - © Bild: Archiv

"Die Phönizier waren die Ersten, die ein echtes Alphabet . . . einführten (um 1.500 v. Chr., Anm.), wodurch nun vieles rascher und einfacher notiert werden konnte." So beschreibt Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, die Bedeutung der Punier in der Entwicklung der Schrift. Der äußerst engagierte Erwachsenenbildner hat u.a. 2001 an der Volkshochschule "Urania für Steiermark" das Seminar "Alphabete. Entstehung - Entwicklung - Wirkung" gehalten. Im Skriptum beschreibt er Hürden früherer Schriftsysteme. Diese - man denke nur an Hieroglyphen - waren oft sehr komplex: Das "Lesen und vor allem das Schreiben" waren "ein sehr schwieriges Handwerk . . ., da es unzählig viele (Wort-) Zeichen oder Symbole gab, die alle erst gelernt werden mussten. Das Alphabet brachte . .. mit seinem leicht überschaubaren Zeichenvorrat eine wesentliche Erleichterung."