Wie einem wohl zumute ist, wenn man mit dem drohenden Fallbeil im Nacken ein Meisterwerk komponieren soll? Bestimmt dramatisch genug, um Kanonen und Gewehre im Orchester zu placieren. Der Tüftlerkreis beschäftigte sich u.a. mit diesem Szenario aus dem Leben von Ignaz Pleyel (1757-1831), nach dem in der Zusatzorchidee der Nro. 400 gefragt wurde.

Mag. Jutta Stehmann nennt den aus dem niederösterreichischen Ort Ruppersthal stammenden Tonkünstler: Ignaz Pleyl. In seinen Geburtsnamen fügte er später ein "e" ein.

Der heute nur noch in interessierten Kreisen bekannte Musiker zählte um "1800 ... zu den populärsten und meistgespielten Komponisten Europas", hält Maria Thiel, Breitenfurt, fest. Er schuf unzählige Werke, u.a. über 40 Symphonien, mehr als 80 Quartette, zwei Opern u.v.m.

Szenen aus Pleyels Fabrik: Arbeiten am Resonanzboden (links ob.), am Klangkörper (rechts ob.) und an einem Elefantenstoßzahn für Tasten. Rechts unten: fertiger Pleyel-Flügel. - © Bilder: Revue de l’Exposition Universelle de 1889; Grand piano, 1844/Rijksmuseum
Szenen aus Pleyels Fabrik: Arbeiten am Resonanzboden (links ob.), am Klangkörper (rechts ob.) und an einem Elefantenstoßzahn für Tasten. Rechts unten: fertiger Pleyel-Flügel. - © Bilder: Revue de l’Exposition Universelle de 1889; Grand piano, 1844/Rijksmuseum

Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, liefert Details zur Familie: Ignaz war der Sohn "des Schulmeisters, Mesners und Chorleiters Martin Pleyl und dessen Ehefrau Anna Theresia."

Das "musikalische ... Talent" des Sprösslings, so Dr. Harald Jilke, Wien 2, wurde schon früh bemerkt.

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Es gelang, den aus einem ungarischen Adelsgeschlecht stammenden Grafen Ladislaus Erdödy als Gönner zu gewinnen. Dessen Familie pflegte nicht zuletzt aus repräsentativen Gründen das Mäzenatentum. Erdödy bezahlte ab 1772 für die Ausbildung und Unterbringung bei dem damals 40-jährigen Joseph Haydn. Mathilde Lewandowski, Payerbach: 1777 bekam Pleyl den Posten als "Kapellmeister beim Grafen Erdödy" in Preßburg. Es folgten mehrere "Studienreisen in Italien".

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, merkt an: "1783 bewirbt er sich um eine freie Stelle an der Kathedrale von Straßburg, übersiedelt dorthin" und wird 1789 zum Domkapellmeister befördert.

Kurz davor, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, "heiratete er die Tochter eines Straßburger Teppichwebers, Françoise Gabrielle Lefebvre. Der Ehe entstammten vier Kinder, darunter der später als Klaviervirtuose bekannt gewordene Camille."

"Vive la révolution!"

Rasch wurde Frankreich zur Wahlheimat des jungen, aber bereits erfolgreichen Komponisten. Wilfried Schwestka, Wien 10: "Er ... nahm 1789 die französische Staatsbürgerschaft an und änderte seinen Namen in Pleyel." Auch seinen Vornamen schrieb er fortan französisch: Ignace.

Die sich zuspitzenden Ereignisse rund um die Französische Revolution brachten Veränderungen. Seine Komposition aus ca. 1790 "Hymne à la Liberté", die Johann Tischer, Muckendorf/Donau, anführt, zeugt von Pleyels Sympathie für die Aufständischen. Gerhard Toifl, Wien 17: Für den Text zu dieser "Hymne an die Freiheit" zeichnete Pleyels Freund Claude Joseph Rouget de Lisle verantwortlich. Anlass für das gemeinsame Werk gab, wie Christine Sigmund, Wien 23, notiert, "die Feier zur Ausrufung der Verfassung."